Christian Milkus

Autor für Dark Fantasy

Rezension: Ich rette die Welt (Anne Grundig)

anne buchDamaskus, Syrien: Meine liebe Kollegin Anne Grundig hatte die tolle Idee, den dort herrschenden Bürgerkrieg in einem Roman aufzugreifen. Hautnah aus der Sicht einer Kriegsreporterin – vielversprechend!

Mit einem Paukenschlag (bzw. Bombenschlag) geht es los, und der Leser befindet sich sofort mitten im Kriegsgebiet. Blutüberströmte Menschen, Leichen am Boden, Geschrei. Doch wer nun viel Action und Ballerei erwartet, ist hier falsch. Es geht vielmehr um den Sinn eines Krieges an sich, um die Liebe, und um die Liebe im Krieg. Viele Facetten davon werden sehr philosophisch behandelt. Das regt zum Nachdenken an, zumal die Fragen, die im Buch aufgeworfen werden, wirklich sehr tiefgreifend sind. Es sind grundlegende, existenzielle Fragen, die sich um unser Leben auf diesem Planeten drehen. Krieg, Liebe, Sinn des Lebens – was hat seinen Platz auf diesem Planeten? Und als Widerpart die Banalität des Alltags: Ja, auch im Kriegsgebiet brauchen Menschen Toilettenpapier und saufen sich abends die Bude voll. Auch wenn neben einem Bomben einschlagen, trifft man sich zum Chai und quatscht über Fußball. Klingt verrückt, aber so kann das Leben in einem Kriegsgebiet aussehen. Das Leben geht schließlich weiter.

Meiner Meinung nach war es mir in der Mitte des Buches etwas zu viel des Guten, was die Philosophie anbetrifft. Irgendwann hat es sich wiederholt und wurde etwas zäh. Vielleicht habe ich meinem Gehirn aber auch nicht genug Pausen gegönnt 🙂

Zwei Punkte möchte ich noch hervorheben. Nathan ist eine exzellent ausgearbeitete Figur, was vor allem an einem Kindheitserlebnis liegt (da hat sich die Autorin was Geniales einfallen lassen). Außerdem fand ich das Ende sehr gut: Endlich wieder etwas Action für Romantikmuffel wie mich, und außerdem … nein, keine Spoiler!

Das Buch ist sehr gut recherchiert, schließlich ist die Autorin Journalistin. Sie zeigt auf, dass dieser Krieg nicht einfach zu beschreiben ist. Kein Schwarz/Weiß. Es kämpfen nicht einfach 2 Gruppen gegeneinander, es sind viele verschiedene, jede mit ihren eigenen Zielen. Assad, Studenten, Rebellen, FSA, IS usw. Wer kämpft jetzt eigentlich für wen? Gegen wen? Was ist das Motiv? Ist es noch dasselbe Motiv wie zu Beginn des Krieges? Wer ist eigentlich schuld an diesem Krieg? Mitten im Gebiet weiß man oft nicht, gegen wen man sein Gewehr eigentlich gerade richtet – oder wem man sich anvertrauen könnte. Es ist ein kaum zu überblickendes Chaos.

Nun zu meinem hauptsächlichen Kritikpunkt: Die Hauptfigur. Die liebe Lea. Ich wurde nicht aus ihr schlau. Am Anfang empfand ich sie für meinen Geschmack als viel zu schwach und hilflos. Das ging sogar so weit, dass ich das als störend empfand. Gegen Ende empfand ich sie dann allerdings als viel zu stark, zu idealisiert, zu sehr „Ms. Perfect“. Sympathisch ist sie mir in diesem Buch also nicht geworden.

Macht nix! Wer gern Literatur liest, die zum Nachdenken anregt, wird mit diesem Buch seine Freude haben. Wer emotionale Bücher mit einer bemerkenswerten Liebesgeschichte mag, sowieso – immerhin geht es um eine Liebesgeschichte unter außergewöhnlichen (aber sehr realistischen!) Umständen. Make love, even (or especially) during war!

anne

 

 

2 Kommentare

  1. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen.Vielen Dank für die tollen Informationen.

    Gruß Sandra

Kommentare sind geschlossen.

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