Warum uns das Schreiben so schwerfällt


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Wer auf Social Media mit anderen AutorInnen vernetzt ist, liest häufig Aussagen wie diese:
»Ich kann mich einfach nicht zum Schreiben aufraffen.«
»Seit Wochen nichts zu Papier bekommen :(«
»Leute, es geht aufwärts! Heute 200 Wörter geschrieben!«

Klingen diese Aussagen für dich, als wäre das Schreiben eine spaßige Angelegenheit? Wenn wir uns zum Schreiben ›überwinden‹ müssen und jede gelungene Session feiern, als wären wir einen Marathon gelaufen? Für mich nicht. Vielmehr wirkt es nach harter Arbeit, zu der wir uns zwingen müssen, genau wie zu unserem Brotjob oder zu lästigen Aufgaben im Haushalt. Doch klingt das nicht widersprüchlich? Wieso brauchen wir so viel Überwindung und Disziplin, wenn es doch – nach der Auffassung der meisten von uns – unser Hobby, unsere Leidenschaft, unser Zufluchtsort ist? Sollte es nicht so spaßig oder so befreiend sein, dass wir es täglich nicht erwarten können, endlich unsere Geschichten zu Papier zu bringen?
Offenbar nicht. Stattdessen gibt es unzählige Blogartikel über Taktiken, wie wir unseren inneren Widerstand überlisten und unseren Arsch an den Schreibtisch kriegen. Im besten Fall auch noch regelmäßig.
Woran liegt das?
Achtung: Dies ist ein ungeschönter (!) Einblick ins #Autorenleben

Schreiben ist anstregend!

Jeder einzelne Satz, den du schreibst, ist mentale Anstrengung. Du musst dauerhaft hochkonzentriert sein, musst unzählige Faktoren, die deine Wortwahl beeinflussen, im Hinterkopf behalten – sei es der Plot, die Figur, das Setting, der Stil, die Grammatik und so weiter. Das ist anspruchsvolle geistige Arbeit und schlaucht genauso wie physische Arbeit. Da ist es ganz natürlich, dass wir uns dagegen sträuben. Oft sind wir einfach erschöpft oder haben ›wichtigere‹ Ding im Kopf, für die unser Unterbewusstsein gerne bevorzugt Energie aufbringen würde. Das wiederum verwehrt uns die nötige Konzentration, die wir beim Schreiben benötigen.

Lauter Rückschläge

Es ist niederschmetternd, wenn wir einen Text schreiben und ihn für schlecht halten. Und das passiert leider nicht selten, schließlich ist der erste Entwurf nie perfekt, außerdem betrachten wir unsere eigenen Texte immer besonders kritisch. Und das macht die explosive Mischung aus, die uns gerne mal zur Verzweiflung treibt. Auch wenn wir den Text danach zehnmal überarbeiten – hängen bleibt, dass das Schreiben in der Rohfassung mit Rückschlägen und Selbstzweifeln behaftet ist. Das ist psychisch belastend, weshalb ein Teil in uns das gerne vermeiden möchte.
Tipp: Aus diesem Grund ist es übrigens so beliebt, sich vor jeder Session ein Ziel zu setzen: x Wörter zu schreiben oder y Stunden zu schreiben. Denn jedes Mal, wenn wir ein Ziel erreichen, ist das ein Triumph für uns, ein Erfolgserlebnis, das uns motiviert. Diese Art von Belohnung sollten wir uns unbedingt gönnen.

Kein Ende in Sicht

Auch hier gibt es wenig schönzureden. Ein Roman ist eine Menge Arbeit, die sich über Jahre ziehen kann. Zwischendurch wirst du mehrfach das Gefühl haben, nicht weiterzukommen, weil dir nichts einfällt, du alles infrage stellst oder schon wieder etwas umwerfen musst. Das kann irgendwann frustrierend sein, du willst doch einfach nur fertig werden. Daher gilt auch hier der Tipp von eben, sich das große Ziel in viele kleine Ziele aufzuteilen, sodass du Schritt für Schritt vorankommst und dabei immer wieder Erfolgserlebnisse sammelst.

100% Spaß gibt es nicht

Wenn ich mit ›Schreiben‹ die Entwicklung eines Romans meine, kann man es in verschiedene Phasen einteilen:
– Plotten
– Figurenplanung
– world building
– Recherche
– Rohfassung schreiben
– Überarbeiten
etc.
Die einzelnen Phasen unterscheiden sich untereinander deutlich. Da ist es ganz normal, dass uns die eine mehr Spaß macht oder besser liegt als die andere. Ich zum Beispiel liebe Plotten und world building. Aber die Überarbeitung? Die ist für mich kein Vergnügen, sondern ein notwendiges Übel – zumindest in großen Teilen. Und auch du wirst manch eine Phase ätzend finden. Sie gehören aber leider dazu, ein Hobby kann nicht immer zu 100% Spaß machen. Du kannst sie dir aber auch spaßiger machen, zum Beispiel indem du mit anderen zusammen schreibst.

»Chris, das klingt nicht sehr aufmunternd!«

Sorry für die unmotivierenden Worte! Ja, der Prozess hinter der Entstehung einer Geschichte ist hart, belastend und zeitaufwändig. Doch nur weil du Probleme hast, dich aufzuraffen, die Wörter nur zäh aus deinem Füller fließen und du die ersten Textentwürfe für die Tonne findest, heißt das nicht, dass du ›nicht fürs Schreiben gemacht‹ bist. Es heißt nicht, dass du ein schlechter Autor oder deine Story nicht zu gebrauchen ist. Du bist weder dumm noch faul. Du machst genau dieselben Probleme durch wie alle anderen Autoren, egal wie sehr manche das harte Autorenleben über Social Media beschönigen. Dass du überhaupt schreibst, zeigt doch, dass du es im Herzen gerne tust, daher solltest du dir nichts einreden lassen, erst recht nicht von dir selbst. Lass dich nicht entmutigen lassen und schreibe immer weiter, so schwer es dir manchmal auch fällt.
Jun Hur hat das in ihrem Tweet übrigens wunderbar zusammengefasst:


Grundsätzlich solltest du immer das große Ziel im Auge behalten: dein eigener Roman. Es gibt nichts Schöneres, als sein fertiggestelltes Werk in den Händen zu halten. Spätestens dann weißt du: Die ganze Arbeit hat sich gelohnt.

Chris auf der FBM2017

Natürlich bin ich auf der FBM 2017 vertreten – und zwar die vollen fünf Tage.

Von Mittwoch bis Freitag habe ich Standdienst. Ihr könnt mich jederzeit besuchen kommen, ich würde mich freuen! Ich bin am Stand von neobooks + epubli, Halle 3.0, K21. Dort halte ich einige interessante Veranstaltungen ab (siehe unten), u. a. zwei Vorträge, die sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene gedacht sind. Schaut vorbei!

Am Wochenende bin ich dann privat auf der Messe. Wo ich zu finden sein werde? Das werde ich ganz spontan entscheiden 🙂 Die meiste Zeit werde ich aber vermutlich in Halle 3.0 rumhängen (da ist am meisten los), außerdem bin ich über Twitter erreichbar.

An allen fünf Tagen gilt: Ich schleppe ein paar Exemplare meines Buches mit. Wer eines haben möchte – einfach ansprechen! Ich signiere es natürlich auch. Während ich Standdienst habe, kann es sein, dass ich keine Zeit habe, aber eine Buchübergabe kriegen wir sicher irgendwie hin 🙂
PS: Wer zuerst kommt …

Meine Veranstaltungen

MITTWOCH, 11.10.2017
○ 12:30–13:00 Uhr: Das Exposé – Worauf Verlage und Lektoren achten (mit Hannes Riffel vom Verlag Fischer Tor)
Halle 3.0 K21

  • DONNERSTAG, 12.10.2017
    Empfehlung (Vortrag)
    ○ 10:00–10:30 Uhr: So funktioniert gutes eBook-Marketing
    Halle 3.0 K21
  • Alles über Preis- und Gratisaktionen
  • Wie funktionieren die Amazon-Rankings?
  • Was bringen Ausleihplattformen?
  • Was nützen Leserunden?
  • Woher bekomme ich Rezensionen?
  • Weitere Marketing-Maßnahmen

○ 14:30–15:00 Uhr: Lektorensprechstunde (mit Kathinka Nohl)
Halle 3.0 K21

  • FREITAG, 13.10.2017
    Empfehlung (Vortrag)
    ○ 10:30–11:00 Uhr: Das Exposé: Worauf Verlage achten
    Halle 3.0 K21
  • Das richtige Mindset
  • Formales
  • Wie gliedere ich ein Exposé?
  • Was kommt bei den Lektoren gut an?
  • Und natürlich das Wichtigste: Wie schreibe ich die Inhaltsangabe?
  • Die meistgemachten Fehler

Titel, Cover und Klappentext – Ein kleiner Tipp für Autoren

Wie wichtig Titel, Cover und Klappentext sind, brauche ich nicht ausführlich zu erklären. Sie entscheiden maßgeblich darüber, ob die richtige Zielgruppe angesprochen und das Buch gekauft wird. Sie sind also nicht nur wichtig, sondern essentiell.
Und daher umso schwieriger zu gestalten.
Vor allem Klappentexte sind für mich persönlich der HORROR!

Woher also holen wir Autoren uns die nötige Inspiration? Wir orientieren uns an Experten, z. B. an Verlagen, die jahrelange Erfahrung darin haben, zielgruppenorientiert zu arbeiten. Du kannst ihre Cover, Titel und Klappentexte analysieren, daraus die Zielgruppen und die Strategien ableiten, und du bekommst einen guten Eindruck davon, wie die Verlage vorgehen. Doch dies auf dein eigenes Buch anzuwenden, ist nochmal eine ganz andere Liga.

Die Inspiration

Darum möchte ich dir einen kleinen Trick bei übersetzten Büchern vorstellen: Die Arbeit eines deutschen Verlages mit dem Original zu vergleichen.

Anm.: Ich nenne „Cover, Titel und Klappentext“ ab jetzt „Die drei Elemente“ (eines Buches). Das ist kürzer und hört sich irgendwie episch an.

Ein deutscher Verlag bietet seine Bücher einem anderen Markt an als der Verlag des Originals. Er identifiziert möglicherweise eine abweichende Zielgruppe, muss andere Vorlieben, andere Trends berücksichtigen und außerdem zusehen, dass die Aufmachung ins Verlagsprogramm passt.
Beispiel: Im unten verlinkten Beitrag von @whoiskafka geht es um ein Buch (Beautiful Liars), bei dem der deutsche Verlag eine andere Zielgruppe angesprochen hat als der Verlag des Originals. Die drei Elemente wurden dementsprechend konzipiert, und wenn man beide Versionen miteinander vergleicht, denkt man, es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Bücher (was natürlich nicht Sinn der Sache sein sollte).

Einfach mal stöbern!

Geh ruhig auf Amazon oder Thalia und vergleiche z. B. die jeweiligen Klappentexte. Du wirst schnell merken, wie unterschiedlich die Verlage arbeiten. Und du wirst schnell merken, welche Versionen dir besser gefallen. Das schenkt dir wiederum die Inspiration, die du gut gebrauchen kannst.
Übrigens: Im Englischen greifen die Verlage oft auf ganz andere Techniken zurück als hierzulande. Dort haben sich andere Techniken etabliert, vielleicht sind die Verlage auch bloß einfallsreicher. Ich persönlich jedenfalls finde diese sehr erfrischend gegenüber dem langweiligen Einheitsbrei, den manch ein deutscher Verlag bietet. Wirklich inspiriert haben mich daher bislang vor allem die Klappentexte aus den USA.
Beispiele liefere ich jetzt natürlich auch noch. Während das oben angeführte Beispiel eher aufgezeigt, wie die Verlage unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, möchte ich hier auf die unterschiedlichen Aufmachungen hinweisen. Oder anders formuliert: Auf die starken Qualitätsunterschiede! Jedenfalls meiner Meinung nach. Ich finde die beiden Versionen im Englischen weitaus (WEITAUS!) besser als die übersetzten. Aber mach dir lieber dein eigenes Bild davon.
Und sag mir, was du davon hältst 😊

Beispiel #1: Der Herr der Ringe – Die Gefährten von J. R. R. Tolkien

Hier klicken

Beispiel #2: The Name of The Wind von Patrick Rothfuss

Hier klicken

Darauf gebracht haben mich übrigens die Beiträge von zwei bekannten Buchbloggerinnen, @whoiskafka und @Ink_of_Books. In denen diskutieren sie (regen sich auf) über die Unterschiede von englischsprachigen Büchern zu ihren deutschen Übersetzungen in Bezug auf die drei Elemente. Die Beiträge sind nicht nur interessant und unterhaltsam zu lesen, sondern zeigen auch einige interessante Aspekte auf, von denen Autorinnen sich inspirieren lassen können.

Hier sind die beiden Blogartikel, auf die ich mich bezogen habe:

Interessant ist dabei auch das Interview mit Anne Bender vom Carlsen Verlag über die Entstehungsgeschichte eines Covers: http://inkofbooks.com/wie-entsteht-ein-buchcover-interview-mit-dem-carlsen-verlag

Spannung aufbauen – fünf Techniken, um den Leser zu fesseln

suspenseSpannung ist für viele immer noch ein abstrakter Begriff. Sie sehen sie als eine Art Aura an, die jeder spürt, aber niemand so richtig erklären kann. Manche Autoren „haben sie einfach“, andere nicht. Sie glauben, dass Stephen King einfach drauflos schreiben kann und seine Zeilen automatisch alle in den Bann ziehen. Doch auch er wird dir sagen, dass Spannung zu erzeugen ein Handwerk ist, das man mit harter Arbeit erlernen kann – wie fast alles beim Schreiben. Es gibt bestimmte Techniken, auf die man zurückgreifen kann, und einige davon zeige ich in diesem Artikel auf.

Was steht auf dem Spiel?

Carl möchte eine Bank ausrauben. Aber warum will er das tun? Will er sich auf Hawaii ein paar Cocktails in den Kopf knallen oder braucht er das Geld für die Operation seiner todkranken Tochter? Im ersten Fall ist es im Prinzip egal, wie es ausgeht – ein Gefängnisaufenthalt ist zwar doof, aber hat er ja auch nicht anders verdient. Im zweiten Fall jedoch steht weitaus mehr auf dem Spiel. Jede Entscheidung, jede Handlung, jedes Wort kann seiner Tochter das Leben kosten. In welchem Szenario werden die Leser also eher mit Carl mitfiebern?

Um eine schöne Spannungskurve aufzubauen, kann man den Einsatz während der Geschichte erhöhen. Zuerst möchte die Ermittlerin einen Mörder stellen. Dann findet sie heraus, dass der Mörder wieder zuschlagen wird. Nun geht es um die Prävention weiterer Todesopfer, es steht also mehr auf dem Spiel und die Spannung steigt. Der finale Schritt ist dann oft, dass die Ermittlerin persönlich involviert wird, z. B. krallt sich der Mörder einen Familienangehörigen. Jetzt ist die Spannung auf dem Höhepunkt, weil es für sie persönlich um alles oder nichts geht.

Negativbeispiel: So sehr ich die Serie 24 auch mag, sie übertreiben es gerne mal damit, den Einsatz zu erhöhen. Zunächst will Jack Bauer „nur“ eine Terrororganisation stoppen. Dann findet er heraus, dass es um etwas viel Größeres geht und die eigentlichen Drahtzieher ganz woanders sitzen. Irgendwann kommt es zum Bombenanschlag mit 300 Toten, doch auch der war nur ein Täuschungsmanöver, um von der EIGENTLICHEN Gefahr abzulenken etc.

Das Unbekannte

Ihr habt morgen ein Vorstellungsgespräch – Panik! Wenn ihr aber im Vorhinein mit dem Chef telefoniert habt oder zumindest von der Homepage wisst, wie er aussieht, kann das eure Angst mindern. Es hilft sogar schon, wenn man bereits vor Ort war und den Raum kennt. Denn nichts ist schlimmer, als wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt. In dem Fall malt sich das Gehirn die schlimmsten Szenarien aus. Den Geist im Horrorfilm kriegt man zu Beginn des Films nicht gezeigt, weil die Ungewissheit, womit man es zu tun hat, eine zentrale Rolle in diesem Genre spielt. Sie erzeugt Spannung und Gruselfaktor.

Es ist also oftmals ratsam, Sachverhalte nicht sofort vollständig zu beschreiben oder aufzuklären. Die Betonung liegt hier auf „nicht vollständig“. Um diese Art der Spannung zu erzeugen, müssen die Leser zumindest wissen, dass irgendwas im Busch ist. Etwas einfach vorzuenthalten, bringt da eher wenig.

Beispiele für die Technik des Unbekannten gibt es in jedem Genre:

  • Worauf lässt sich der Held ein, wenn er die unbekannte Welt betritt?
  • Auf welcher Seite steht Professor Snape tatsächlich?
  • Der geheimnisvolle Typ mit dem charmanten Lächeln scheint nicht das zu sein, was er vorgibt – ein Klassiker in Romanzen.
  • Die Terroristen planen einen Anschlag, aber wo und wann?
  • Was verbirgt sich hinter der verbotenen Tür? Oder welche Gefahren lauern in der abgeschiedenen Holzhütte mitten im Wald, in der das Licht im Keller nicht funktioniert?
Informationen vorenthalten

Das Unbekannte soll natürlich im Laufe der Geschichte aufgeklärt werden, sonst sorgt das für frustrierte Leser. Damit die Spannung aber nicht verloren geht, empfiehlt es sich, nicht alles auf einmal zu erläutern, sondern häppchenweise über den Text zu verteilen. Beispiele:

  • Ich persönlich finde Krimis deutlich spannender, wenn sich für die Ermittler das Puzzle erst langsam zusammensetzt, als wenn sie ewig im Dunkeln tappen und am Ende ein „Aha“-Moment alles auf einmal aufklärt.
  • Wo wir eben schon bei Harry Potter waren: Dumbledore ist ja der König der Andeutungen. Er verrät immer nur so viel, dass Harry zwar etwas damit anfangen kann, er und die Leser aber weiter grübeln müssen.
  • Mit seinem letzten Atemzug plaudert der Schwerverletzte etwas aus, doch den entscheidenden Satz schafft er nicht mehr. Man kommt der Wahrheit also näher, erreicht sie jedoch noch nicht.
  • Hintergründe zu Protagonisten oder Ereignissen werden gerne über mehrere Rückblenden vermittelt.
Ich sehe was, was du nicht siehst

Gemein ist auch, wenn die Leser etwas wissen, was der Protagonist nicht weiß. Kennt ihr das, wenn ihr einer Buchfigur zuschreien wollt: »Tu es nicht!« In diesem Fall wisst ihr, was sie erwartet. Aber diese Unfähigkeit, eingreifen zu können, treibt einen in den Wahnsinn, und man will unbedingt wissen, wie die Figur darauf reagieren wird.

Die Zeit läuft ab

Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Mörder einem gewissen Muster folgt und in zwei Tagen wieder zuschlagen wird. Die Uhr tickt also, und die Ermittler haben nur noch ein vorgegebenes Zeitfenster, um einzugreifen. Und je länger die Sanduhr rieselt, desto dramatischer wird es. Oft finden sie kurz Ablauf der Zeit den Ort des Geschehens heraus. Dann entscheidet jede Sekunde.

Negativbeispiel: In einem Buch sagt die Hauptfigur zu seinem Kollegen: »Wir haben etwa 15 Minuten Zeit, bis sie auf uns aufmerksam werden.« Das Problem daran: Diese Zeit war eine völlig arbiträre Schätzung. Woher sollte er wissen, dass es GENAU 15 Minuten dauern würde? Das Zeitlimit war also künstlich erzeugt und wirkte daher lächerlich. Noch fünf Minuten. Noch drei. »Oh mein Gott, nur noch eine Minute! Mach schneller!«

 

Hier mache ich nun Schluss. Es gibt natürlich noch zahlreiche andere Techniken, um Spannung zu erzeugen oder aufzubauen. Wenn euch eine einfällt oder auch ein gutes Beispiel, dann schreibt mir doch – am besten auf Facebook oder hier auf der Homepage. Würde mich freuen 🙂 Den nächsten Artikel gibt es dann am nächsten Samstag.

PS: Inspiriert zu diesem Artikel hat mich übrigens The plot thickens von Noah Lukeman (Dort stehen weitere Beispiele drin).

Warum Leser ein Buch abbrechen – Auswertung einer Umfrage

sleep_book_kleinDie amerikanische Plattform Goodreads hat eine große Umfrage gestartet. Sie wollte wissen, aus welchen Gründen Leser ein Buch zu Ende lesen oder in die Tonne werfen. Die wichtigsten Ergebnisse habe ich für euch zusammengefasst und kommentiert. Besonders am Herzen lag mir: Was können Autoren daraus lernen?

Die kompletten Ergebnisse findet ihr übrigens hier.

Warum Leser ein Buch abbrechen
    • Fast die Hälfte aller Teilnehmer (und damit überwältigende Mehrheit) gab an: ‚Langsam + langweilig‘! Viele stören sich daran, wenn das Buch einfach nicht zur Sache kommt, z. B. wenn nichts passiert oder der Autor sich mit seitenweise Beschreibungen aufhält, die niemanden interessieren.
      Was ich daraus lerne: Während des Überarbeitens stampfen Autoren ihre Texte ein. Oft braucht es große Überwindung, bereits Geschriebenes wieder zu löschen. Und auch wenn sie es schaffen, fragen sie sich anschließend, ob sie vielleicht zu viel gekürzt haben. Die Umfrage zeigt aber, dass man grundsätzlich eine schnelle, handlungsstarke Geschichte anstreben sollte (außer bei ganz bestimmten Zielgruppen). Also: Der Rotstift ist euer Freund!
      Beispiel: Ich bin dafür bekannt, so kurz und knapp wie möglich zu schreiben und auch zu sprechen. In meinem Buch geht es daher Schlag auf Schlag, und langwierige Beschreibungen vermeide ich. Bisher haben sich aber nur 2-3 Leser darüber beschwert, dass es ihnen zu schnell gehe, und dies war für sie auch kein wesentlicher Kritikpunkt, sondern nur ein nebensächlicher.

 

    • Fast jeder Fünfte legt das Buch weg, weil es schlecht geschrieben ist. Das ist mit gutem Vorsprung Grund #2 und liegt damit auch vor dem Grund: ‚Lächerlicher oder nicht-existierender Plot‘. Das soll nicht heißen, dass den Leuten die Sprache wichtiger ist als der Plot. Trotzdem ist es offenbar eher in der Lage, Frust beim Leser hervorzurufen. Also nehmt euch die nötige Zeit, die ihr zum Überarbeiten braucht. Geht gewissenhaft vor, auch wenn diese Arbeit zäh ist. Und natürlich: Lasst jemanden korrigieren, besser noch lektorieren!
      Was ich daraus lerne: Nichts, denn hier gilt meiner Meinung nach sowieso: Man sollte sowohl am Plot als auch an der Sprache so gewissenhaft wie möglich arbeiten – keine Ausreden!

 

    • Übrigens nannten nur 5% den Grund: ‚Ich mag die Hauptfigur nicht‘. Dies ist deutlich weniger als ich erwartet hätte. Immerhin gilt: Wenn die Leserin die Hauptfigur nicht mag, fiebert sie auch weniger mit. Und dann ist das Buch weniger spannend. Dies wird durch die Umfrage ja auch nicht widerlegt, trotzdem ist eine unsympathische Hauptfigur für die wenigsten ein Grund, ein Buch komplett wegzulegen. Solange sie den Plot oder andere Figuren gut finden, können sie über diesen Makel hinwegsehen.
      Was ich daraus lerne: Auch hier sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Es kommt ja nicht darauf an, dem Leser ein Buch zu schenken, das er zumindest zu Ende liest. Nein, er soll unterhalten werden, soll es verschlingen. Da zählt eine Hauptfigur, mit der er sich identifizieren kann, dazu. Bitte vernachlässigt das nicht aufgrund dieser Statistik.
      a3f273ac-aa87-46c8-a2ba-9441f146971a-2060x1236Exkurs: Wenn man Charaktere nicht leiden kann, muss das nichts Schlechtes sein. Ein Beispiel ist King Jeoffrey aus Game of Thrones (hier geht es jetzt nicht um Hauptfiguren). Absolut JEDER hasst ihn aus tiefstem Herzen. Aber gerade deshalb ist er wichtig für die Story. Die Leute wollen ihn unbedingt bluten sehen, und das lässt sie mitfiebern.

 

  • Schlussfazit: Ich möchte jeden davor warnen, die Umfrageergebnisse falsch zu interpretieren. Sie bedeuten z.B. nicht, dass der Plot und eine gute Hauptfigur eher nebensächlich sind. Auf gar keinen Fall! Sie zeigen bloß, dass die Leser über eine schlechte Hauptfigur eher mal hinwegsehen können, wenn andere Aspekte stimmen. Über einen schlechten Schreibstil allerdings weniger, selbst wenn das Buch an sich gut ist.
Was bewegt Menschen zum Weiterlesen?
    • Hier kann man mehrere Antworten zusammenfassen: Über 50% beenden ein Buch quasi aus Prinzip – egal, wie sehr sie dabei leiden (Warum tun sie sich das an? Es gibt so viele gute Bücher, die man stattdessen lesen könnte 😀 ).
      Was ich daraus lerne: Zumindest zeigt es, dass man ein schlechtes Buch noch einigermaßen retten kann, wenn zumindest das Ende gut ist. Etwas lernen kann ich aus dieser Statistik allerdings nicht – zumindest nichts Sinnvolles.

 

    Die meisten Leser wollen bloß unterhalten werden.
  • Ein Viertel aller Befragten antwortete: »Ich muss wissen, wie es weitergeht.« Dies spricht auf folgenden Aspekt an: Die Kurzzeit-Erfahrung. Selbst bei schlechtem Plot und schlechten Figuren gilt also: Wenn die Autorin es schafft, die Spannung aufrechtzuerhalten, werden die meisten Leser nicht aufhören können zu lesen.
    Was ich daraus lerne: Eine Lektion, die auch Noah Lukeman in seinem hervorragenden Buch The plot thickens predigt: Er kritisiert nämlich, dass viele Autoren die Spannung vernachlässigen, weil sie die Priorität auf den literarischen Wert legen. Dabei wollen die meisten Leser bloß unterhalten werden.
Auf welchen Seiten Leser ein Buch abbrechen
    • Viele beenden ein Buch auf den Seiten 0-50 (16%), die meisten bei 50-100 (28%). Manche Leser sind also knallhart und legen ein Buch sofort weg, wenn es sie nicht anspricht. Deutlich mehr Leser gewähren dem Autor zumindest weitere 50 Seiten, um noch die Kurve zu kriegen. Der Autor hat also einen kleinen Puffer.
      Was ich daraus lerne: Hier wird das Rad nun wirklich nicht neu erfunden. Der Anfang ist besonders wichtig, wer hätte das gedacht? Und doch lese ich viele Bücher, bei denen am Anfang kaum etwas passiert. Denkt daran: Nichts ist schädlicher als ‚langsam+langweilig‘. Viele Autoren wollen am Anfang zu viel erklären (siehe auch: Infodump), und das schreckt die Leser ab.

 

  • 100 Seiten erstmal geschafft, wird die Leserin das Buch meistens auch beenden (etwa 82%).
    Was ich daraus NICHT lerne: Natürlich sind Anfang und Ende psychologisch gesehen deutlich wichtiger als der Mittelteil. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle warnen. Denn verdammt vielen Büchern trage ich nach, dass sie ja sooo toll wären, wenn sich doch bloß nicht der Mittelteil so ewig gezogen hätte. Also wenn ihr dem Mittelteil schon weniger Beachtung schenkt, dann vernachlässigt ihn wenigstens nicht völlig. Und bitte zieht euer Buch nicht künstlich in die Länge, nur weil ihr euch zum Ziel gesetzt habt, euer Buch müsse unbedingt 60k Wörter haben.

Ist das jetzt eine Schreibblockade?

blockade2Die Schreibblockade: Das Monster, das sich genüsslich an deiner Inspiration labt, die sie dir aus der Seele gerissen hat. Manch ein Autor meint, die goldene Lösung dagegen gefunden zu haben, andere streiten die Existenz des Monsters einfach ab. Früher oder später saß aber sicher jeder Autor schon einmal vor einem leeren Blatt, sei es für einen Tag oder für mehrere Monate.

 

Nun gibt es viele Erklärungen für eine potentielle Blockade und noch viel mehr Lösungen. Warum ist das so? Zunächst natürlich, weil jeder Mensch verschieden ist. Allerdings gibt es auch ein fundamentales Problem, das ich hier ansprechen möchte: Nicht jeder versteht unter einer Blockade dasselbe. Verschiedene Probleme, die beim Schreiben auftreten, werden häufig einfach als Schreibblockade verdonnert, ohne zu hinterfragen, was genau dieses Problem eigentlich ausmacht. Dementsprechend vielfältig sind auch die Lösungsvorschläge, die oftmals gar nicht zum jeweiligen Problem eines Autoren passen.
Während ich so die Schreibblogs durchforste, entdecke ich – mit fließenden Übergängen – fünf grundsätzliche Arten von Autorenproblemen, die allesamt gerne als Blockade bezeichnet werden:

  1. „Mir fällt nix ein.“
    Der Klassiker. Das typische Bild eines Künstlers, der vergeblich auf eine göttliche Inspiration wartet.
  2. Ich weiß nicht, wie ich das schreiben soll.“
    (1) handelt davon, WAS man schreiben soll, bei (2) weiß man es, findet aber keine Lösung für das WIE. Trotzdem finde ich beide Punkte sehr ähnlich: Man findet einfach keine Ideen, sei es zum Plot (1) oder zu den Worten (2).
    Wichtig: Viele Autoren behaupten, dass (1+2) keine Blockade seien, sondern bloß das Resultat einer zu hohen Anspruchshaltung. Ob das stimmt oder nicht, will ich so pauschal nicht beurteilen, da die Leistung eines Gehirns von unzähligen individuellen Faktoren abhängt.
  3. „Alles mies, was ich schreibe.“
    Im Gegensatz zu (2) schreibt man in diesem Fall wenigstens was nieder, allerdings stinkt jedes Wort zum Himmel – jedenfalls denkt man das. Auch hier ist der Aspekt der Anspruchshaltung zu berücksichtigen.
  4. „Ich kriege meinen Hintern nicht hoch.“
    Dies ist in meinen Augen keine Blockade, sondern ein Motivationsproblem. Denn hat man erstmal angefangen zu schreiben, flutscht es meistens wie von selbst. Hier helfen Tipps à la: Richte dir feste Schreibzeiten ein.
  5. „Ups, schon wieder auf Facebook.“
    Hierbei geht es um Prokrastination und somit um Konzentrationsschwäche. Dies kann aus (1-3) resultieren, muss es aber nicht. Auch dies ist – genau wie 4 – gesondert zu betrachten. Wer daran leidet, sollte unbedingt diesen Artikel lesen: http://waitbutwhy.com/2013/10/why-procrastinators-procrastinate.html

Fazit:
(4+5) sind für mich keine Schreibblockade, höchstens die Folgen von einer. Es sind schlichtweg Probleme anderer Art.
Ob man mit seinem Geschriebenen zufrieden ist, ist abhängig von der aktuellen Leistungsfähigkeit (Tagesform) und der Anspruchshaltung (die ebenfalls tagesabhängig ist!). Ist die Anspruchshaltung auf BILD-Niveau und man bringt trotzdem nichts zu Papier, würde ich dies als Schreibblockade bezeichnen. Manchmal ist eine Gehirnhälfte einfach überlastet. Einige mögen mir da widersprechen, aber das ist im Prinzip auch egal. Wichtig ist nur: Identifiziere dein Problem! Ist es die Kreativität oder doch nur die eigene Anspruchshaltung? Ist es die Konzentration oder bloß die Motivation? Finde es heraus, denn erst dann kannst du effektiv nach Lösungen suchen.
PS: Lösungsvorschläge folgen in separaten Artikeln 🙂