Neues aus der Schreibwerkstatt #2

PenKennt ihr das: Ihr lest ein Buch und habt das Gefühl, die Dialoge wirken künstlich? Da spricht eine Figur, und sie spricht ganz normales Deutsch, und trotzdem kommt es euch einfach nicht echt vor.

 

 

Passieren kann dies, wenn der Autor sich nicht richtig reinversetzen kann in

  • Seine Figur
  • Die Situation
  • Die Sprechweise von „richtigen“ Menschen

Alle diese Punkte sind komplexe Themen mit zahlreichen Unterpunkten – alle einen Blogartikel wert 🙂 Gerade allerdings arbeiten wir in einer Werkstatt, daher genug der Worte und ran an die Arbeit.

Letztens bin ich über folgenden Dialog gestolpert. Mit Absicht zeige ich ihn erstmal ohne weiteren Kontext. Ihr müsst nur wissen, dass es gerade eine hektische Situation ist. Ein 20-jähriger, ganz durchschnittlicher Typ sagt zu seinem Kumpel:

… Weil wir unsere Handys nicht bei uns haben, gehen Danny und ich zum Auto und rufen von da aus an …

Würde ein stinknormaler 20-jähriger so zu seinem Kumpel reden? Wenn es gerade hektisch zugeht? Stellt euch die zwei Jugendlichen mal vor. Also ich behaupte ganz klar: Nein! So reden Menschen einfach nicht, erst recht keine Jugendlichen, erst recht nicht, wenn es schnell gehen muss. Was haltet ihr davon:

Wir haben unsere Handys nicht dabei, wir gehen kurz zum Auto und rufen von da aus an …

Klingt das nicht schon viel natürlicher? Das ist vielleicht kein schönes Deutsch, und niemals würdet ihr einen normalen Text auf diese Weise schreiben, doch so reden Menschen nun mal, also sollten eure Figuren das auch tun. Nur dann wirkt es realistisch. Ihr müsst euch also in die Figuren hineinversetzen können und euch fragen, wie – je nach Situation – ihr selbst, euer Kumpel, eure Oma, der Anwalt, die Nachbarin etc. das ausdrücken würden. In diesem Fall hat der Autor das nicht getan. Die Folge: Vom Stil und vom Klang her klingt sein Dialog genauso wie der Text drum herum.

Menschen reden vor allem in Hauptsätzen.
Übrigens: Seitdem ich diesen Dialog gesehen habe, achte ich darauf, wie wir Menschen sprechen. Und eines wurde mir schnell klar: Wir benutzen vor allem Hauptsätze. Nebensätze sind in gesprochener Form weitaus seltener als in geschriebener. Und wenn, dann sind die Nebensätze meistens angehängt, stehen also am Ende des Satzes. Ihr könnt das ja auch mal beobachten. Da werdet ihr feststellen, dass es nur wenige Nebensatz-Konstruktionen gibt, mit denen wir Sätze anfangen. „Weil“-Nebensätze gehören jedenfalls nicht dazu.

Ausnahme: Wir antworten auf eine Frage, der Nebensatz steht also für sich alleine.

Warum sprichst du so komisch?
Weil ich eine Romanfigur bin.
Nun mit Kontext

Noch unrealistischer wirkt der Dialog, wenn man dann noch den Kontext kennt: Ein Kumpel ist gerade metertief gestürzt und liegt schwer verletzt auf dem Boden. Da sagt unsere Figur (diesmal der vollständige Dialog):

Alles okay, Marc? Weil wir unsere Handys nicht bei uns haben, gehen Danny und ich zum Auto und rufen von da aus die 911 an. Blake kommt zu dir, und David erkundet das Haus, schaut, ob er irgendetwas hilfreiches findet, sowas wie einen Erste Hilfe Koffer.
Sei nicht nur der Regisseur, sondern gleichzeitig auch der Schauspieler für jede einzelne deine Figuren.
Wenn er nicht gerade Tommy Lee Jones in Men in Black ist (und das ist er nicht), nehme ich ihm diesen Dialog nicht ab. Er ist ein stinknormaler Typ, und urplötzlich schwebt sein Kumpel vor seinen Augen in Lebensgefahr. Da erwarte ich eine entsprechende Reaktion. Panik! Hektik! Wenig Atem, kurze Sätz.! Fühle die Situation, lass deine Figuren die Situationen fühlen, und dann lass sie dementsprechend handeln und reden. Sei nicht nur der Regisseur, sondern gleichzeitig auch der Schauspieler für jede einzelne deine Figuren.

 

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Neues aus meiner Welt #1

treehouseHallo, ihr Lieben!
In letzter Zeit habe ich mich im Internet ein wenig rar gemacht, was allerdings nicht bedeuten soll, ich hätte der Welt des kreativen Schreibens den Rücken gekehrt. Oh nein, ganz im Gegenteil, in meinem Kopf werkelt, rattert und zischt es weiterhin, und die Funken sprühen ohne Pause.

 

Doch davon sollt ihr natürlich auch etwas haben. Ich habe mir daher zum Ziel gesetzt, meinen Social-Media-Alltag ein wenig besser zu strukturieren. Beispielsweise werde ich ab sofort jeden Montag ein Update zu mir und meiner geliebten Schreiberei bringen. Und wisst ihr was? Ich fange hier und jetzt damit an.

Neues aus meiner Welt

Neues Projekt

Ich arbeite momentan an mehreren kleinen Projekten, aber dazu komme ich ein anderes Mal. Jetzt soll es erstmal um mein neues Großprojekt gehen. Es ist bereits mehr oder weniger ein offenes Geheimnis, doch ich verkünde es hiermit noch einmal offiziell:

*Trommelwirbel*

*Fanfaren- und Trompetengeräusche*

Ich arbeite an einem neuen Buch – war doch auch eigentlich klar! Arbeitstitel: Das Feuer in mir. Trotz der Ähnlichkeit im Namen sei so viel verraten: Dies wird keine direkte Fortsetzung von meinem Buch „Der Schatten in mir“ sein. Trotzdem hängen die beiden Bücher natürlich miteinander zusammen. Inwiefern? Darüber werde ich in den nächsten Wochen berichten, also bleibt geduldig 🙂

Nächtliche Schreibwerkstatt

Seit Kurzem bin ich Admin in besagter Facebook-Gruppe. Dort kann über alles gesprochen werden, was mit dem Schreiben zusammenhängt. Auch Anfänger und Gelegenheits-Autoren sind herzlich eingeladen und dürfen Fragen stellen oder einfach nur mitlesen. Die Atmosphäre ist sehr angenehm (zur Not sorge ich dafür^^).

Besonders beliebt sind unsere Schreibabende, die jeweils donnerstags und samstags stattfinden. Dabei quatschen die Leute miteinander, während sie an ihren Werken schreiben. So motivieren sie sich gegenseitig, und das Schreiben macht gleich viel mehr Spaß 🙂 Schaut doch mal vorbei!

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Gute Rezi, schlechte Rezi – über die Gefühlswelt eines Autors

AchterbahnMein Buch ist mittlerweile kaum 2 Monate auf dem Markt, und schon hat mich die knallharte Realität des Autorendaseins mehrfach kräftig durchgeschüttelt. Es ist wie eine Achterbahnfahrt: Schnell, voller Kurven, und du donnerst schlagartig steil bergauf und genauso schnell wieder bergab. Uhrzeit und Mageninhalt spielen dabei keine Rolle.

 

Die Achterbahnfahrt geht los
Als Autor gibt man – wie jeder Künstler – einen Teil seines Inneren preis. Man erschafft etwas aus seinen Gedanken, um es dann der Öffentlichkeit zu präsentieren. Man stellt sich in den Mittelpunkt und macht sich dadurch angreifbar. Ein kleiner Seelenstriptease. Und da kommen sie auch schon von überall her: Menschen und ihre Meinungen. Sie urteilen nun über dein Werk, mal ehrlich, mal weniger ehrlich, mal rücksichtsvoll, mal knallhart.
Ich habe mittlerweile viel Feedback erhalten. Der große Teil war positiv, daher befinde ich mich überhaupt noch in einem mental guten Zustand. Eine gute Rezension kann einen über den Wolken schweben lassen. Sie ist einer der Gründe, warum Autoren schreiben. Sie zeigen einem, wofür sich all die Mühe und all die Tränen gelohnt haben, sie ist eine ganz besondere Form der Anerkennung. Doch manchmal kommt auch weniger gutes, gar mittelmäßiges, gar schlechtes Feedback, und damit muss man umgehen können. Selbst nach 20 guten Rezensionen kann eine einzige schlechte euch im Affenzahn zurück in Richtung Boden der Tatsachen schleudern.
Ich möchte keinen Autorenneuling verunsichern. Im Gegenteil, dieser Beitrag soll jeden ermutigen. Denn falls ihr tatsächlich eine schlechte Rezension bekommt, solltet ihr euch bewusst machen, dass dies noch lange nicht bedeutet, dass euer Werk schlecht ist. Es gibt wahnsinnig viele Gründe, warum jemand eine schlechte Rezension verteilt.
 
Sie ist wirklich sehr heftig
Im Folgenden präsentiere ich euch zwei „Erkenntnisse“, die ich gemacht habe, auch wenn sie im Grunde keine Erkenntnisse sind. Im Gegenteil, ihr werdet sagen: Das weiß doch jeder. Doch wenn ich eines seit meiner Veröffentlichung gelernt habe, dann dass ich die fundamentale Bedeutung dieser Erkenntnisse und ihre Tragweite deutlich unterschätzt habe. Und nicht nur ich – auch viele meiner Autorenkollegen haben dies auf schmerzhafte Weise lernen müssen.
 
1) Geschmäcker sind verschieden!
Ja, dies ist eine „Erkenntnis“ von mir. Egal, wie viele Leute etwas gut finden – es wird immer jemanden geben, der es kritisiert. Das kann jeden Teilaspekt des Buches betreffen, also selbst den einen, bei dem ihr dachtet, er sei euch am allerbesten gelungen. Ich habe bei meinem Buch sehr viel Wert auf eine tiefgründige Ausarbeitung meiner Charaktere gelegt, und viele Leser haben genau das gelobt. Und dann hat plötzlich jemand wie aus heiterem Himmel zu mir gesagt: „Ich finde deine Charaktere zu flach.“ Das hat mich echt aus den Socken gehauen! Über die Borderline-Krankheit meiner lieben Salya habe ich auch viel Gutes gehört, z.B. Aussagen wie „erschreckend realistisch“. Und dann sagte mir jemand: „Hättest du nicht erwähnt, dass sie Borderline hat, wäre mir das gar nicht aufgefallen.“ So stark können die Meinungen auseinandergehen. Oft finden Leute genau das schlecht, was andere als die Krönung des Buches ansehen. Man kann es ganz einfach nicht jedem recht machen.
Erwartet erst gar nicht, dass euer Buch nur gute Bewertungen kriegen wird. Eine schlechte Bewertung wird zwangsläufig kommen, sei es die allererste oder erst die dreißigste. Macht euch darauf gefasst! Selbst Harry Potter hat miserable Bewertungen. (Beispiel: 1 Stern – It’s full of predictable devices, and at heart is your basic British boarding school story. There is nothing here we haven’t seen before). Also lasst sie euch nicht aus dem Konzept bringen. Vielleicht werden die nächsten zehn Rezensionen dafür richtig gut?
 
2) Jeder Mensch hat eine andere Betrachtungsweise.
Das bedeutet, dass jeder seine Umwelt nach unterschiedlichen Maßstäben beurteilt
(Siehe auch diesen hervorragenden Artikel). Dies gilt auch für Geschichten. Jeder hält andere Aspekte für wichtig. Daher unterscheiden sich die Rezensionen so stark voneinander, und selbst Rezension #20 lobt oder kritisiert ganz andere Faktoren als die 19 davor. Oft findet jener Rezensent einen Aspekt blöd, den andere nicht einmal für erwähnenswert halten.
 
All das zeigt übrigens, warum gilt: Je mehr Testleser, desto besser.
 
Und sie nimmt viele unerwartete Kurven
Viel intensives Feedback erhält man auch von Leuten, die das Buch noch gar nicht gelesen haben. Dies kann sehr positiv sein („Respekt, du hast dein eigenes Buch geschrieben!“), aber auch sehr negativ („Och wie süß, du hast ein Buch geschrieben und denkst jetzt, du seist Autor!“).
Besonders gemein ist auch negatives Feedback, dass der Autor für ungerechtfertigt hält (ob er damit recht hat, sei dahingestellt). Beispiele: Der Leser kritisiert etwas, allerdings bloß, weil er es falsch verstanden hat (was alle anderen kapiert haben). Oder er stützt seine gesamte Kritik auf einen popeligen Aspekt, der 0,01% des Buches ausmacht. Auch ein Klassiker: „Das Buch war nicht so, wie ich es erwartet hatte.“ – Zitat eines Lesers, der vorher nicht einmal den Klappentext gelesen hat.
Denk bloß immer daran: Nicht rechtfertigen! 🙂 Im Laufe der Zeit wird euch dies auch immer besser gelingen. Man lernt nämlich, mit den Höhen und Tiefen umzugehen – wenn auch auf eine sehr harte Tour.

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Ist das jetzt eine Schreibblockade?

blockade2Die Schreibblockade: Das Monster, das sich genüsslich an deiner Inspiration labt, die sie dir aus der Seele gerissen hat. Manch ein Autor meint, die goldene Lösung dagegen gefunden zu haben, andere streiten die Existenz des Monsters einfach ab. Früher oder später saß aber sicher jeder Autor schon einmal vor einem leeren Blatt, sei es für einen Tag oder für mehrere Monate.

 

Nun gibt es viele Erklärungen für eine potentielle Blockade und noch viel mehr Lösungen. Warum ist das so? Zunächst natürlich, weil jeder Mensch verschieden ist. Allerdings gibt es auch ein fundamentales Problem, das ich hier ansprechen möchte: Nicht jeder versteht unter einer Blockade dasselbe. Verschiedene Probleme, die beim Schreiben auftreten, werden häufig einfach als Schreibblockade verdonnert, ohne zu hinterfragen, was genau dieses Problem eigentlich ausmacht. Dementsprechend vielfältig sind auch die Lösungsvorschläge, die oftmals gar nicht zum jeweiligen Problem eines Autoren passen.
Während ich so die Schreibblogs durchforste, entdecke ich – mit fließenden Übergängen – fünf grundsätzliche Arten von Autorenproblemen, die allesamt gerne als Blockade bezeichnet werden:

  1. „Mir fällt nix ein.“
    Der Klassiker. Das typische Bild eines Künstlers, der vergeblich auf eine göttliche Inspiration wartet.
  2. Ich weiß nicht, wie ich das schreiben soll.“
    (1) handelt davon, WAS man schreiben soll, bei (2) weiß man es, findet aber keine Lösung für das WIE. Trotzdem finde ich beide Punkte sehr ähnlich: Man findet einfach keine Ideen, sei es zum Plot (1) oder zu den Worten (2).
    Wichtig: Viele Autoren behaupten, dass (1+2) keine Blockade seien, sondern bloß das Resultat einer zu hohen Anspruchshaltung. Ob das stimmt oder nicht, will ich so pauschal nicht beurteilen, da die Leistung eines Gehirns von unzähligen individuellen Faktoren abhängt.
  3. „Alles mies, was ich schreibe.“
    Im Gegensatz zu (2) schreibt man in diesem Fall wenigstens was nieder, allerdings stinkt jedes Wort zum Himmel – jedenfalls denkt man das. Auch hier ist der Aspekt der Anspruchshaltung zu berücksichtigen.
  4. „Ich kriege meinen Hintern nicht hoch.“
    Dies ist in meinen Augen keine Blockade, sondern ein Motivationsproblem. Denn hat man erstmal angefangen zu schreiben, flutscht es meistens wie von selbst. Hier helfen Tipps à la: Richte dir feste Schreibzeiten ein.
  5. „Ups, schon wieder auf Facebook.“
    Hierbei geht es um Prokrastination und somit um Konzentrationsschwäche. Dies kann aus (1-3) resultieren, muss es aber nicht. Auch dies ist – genau wie 4 – gesondert zu betrachten. Wer daran leidet, sollte unbedingt diesen Artikel lesen: http://waitbutwhy.com/2013/10/why-procrastinators-procrastinate.html

Fazit:
(4+5) sind für mich keine Schreibblockade, höchstens die Folgen von einer. Es sind schlichtweg Probleme anderer Art.
Ob man mit seinem Geschriebenen zufrieden ist, ist abhängig von der aktuellen Leistungsfähigkeit (Tagesform) und der Anspruchshaltung (die ebenfalls tagesabhängig ist!). Ist die Anspruchshaltung auf BILD-Niveau und man bringt trotzdem nichts zu Papier, würde ich dies als Schreibblockade bezeichnen. Manchmal ist eine Gehirnhälfte einfach überlastet. Einige mögen mir da widersprechen, aber das ist im Prinzip auch egal. Wichtig ist nur: Identifiziere dein Problem! Ist es die Kreativität oder doch nur die eigene Anspruchshaltung? Ist es die Konzentration oder bloß die Motivation? Finde es heraus, denn erst dann kannst du effektiv nach Lösungen suchen.
PS: Lösungsvorschläge folgen in separaten Artikeln 🙂

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Schreibratgeber – Nützlich oder nutzlos?

RatgeberViele Autoren wettern gegen Schreibratgeber. Manche vergleichen sie mit Schulbüchern für Kinder, andere mit Werken Satans. Wieder andere haben noch nie auch nur daran gedacht, jemals einen vor die Nase zu nehmen.

 

 

Die Argumente gegen Schreibratgeber sind vielfältig:

  1. Es gibt beim Schreiben keine Regeln
  2. Ich will mir nichts vorschreiben lassen
  3. Ratgeber verunsichern nur
  4. Ich will meine Fehler selbst machen und daraus lernen
  5. In diesen Büchern steht eh nix Neues drin
Schreibratgeber sind voller Vorschläge – nicht voller Regeln
Zu (1): Dies ist richtig, und ein guter Ratgeber würde das Wort ‚Regeln‘ nicht benutzen. Im Englischen spricht man gerne von ‚tools‘, und daran sollte man sich auch orientieren. Es sind Vorschläge/Hilfsmittel – immerhin heißt es Ratgeber und nicht Regelwerk. Und somit schreiben sie einem auch nichts vor (2).

Ja, Ratgeber können einen schnell verunsichern (3), immerhin findet man Tipps, die man schon im ersten Kapitel 97-mal missachtet hat. Aber bedenke: Ob und wie man diese Ratschläge umsetzt, ist jedem selbst überlassen. Mach dir deine eigenen Gedanken darüber! Nimm dir Zeit und schau dir an, wie andere Autoren einen Ratschlag umsetzen. Und dann überleg dir, wie du als Leser das am liebsten präsentiert bekommen hättest.

Zu (4): Dies ist eine super Einstellung, doch ich fürchte, der Lernprozess geht dann nur sehr langsam vonstatten. Wann bemerkt man denn seine eigenen ‚Fehler‘? Oftmals erst, wenn andere einen darauf aufmerksam machen, z.B. Testleser oder der Lektor. Aber dies ist mit Nachteilen verbunden. Testleser haben nicht denselben Blick wie Lektoren, und Lektoren gehen den Text erst durch, wenn er bereits fertig ist. Und dann kriegt der Autor gleich eine ganze Flut an Verbesserungsvorschlägen, und es wird schwer, alle zu verarbeiten.

Hin und wieder in einem Ratgeber zu schmökern, hilft auch gegen den Tunnelblick, den man bei seinem Buch entwickelt
Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe am schnellsten und effektivsten gelernt, wenn ich viel geschrieben und hin und wieder – z.B. wenn ich eine Pause brauchte – einen Schreibratgeber zur Hand genommen habe. Die Kombination hat’s gemacht.

Zu (5): Zunächst kann es sehr nützlich sein, Themen aufzufrischen oder sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dafür sind Schreibratgeber gut geeignet. Doch auch wenn 99% eines Buches für dich nutzlos sind – vielleicht ist es nur dieser eine Abschnitt oder auch nur dieser eine Satz, der in dir einen Aha-Moment auslöst. Wenn das der Fall ist, dann hat sich das Buch gelohnt, selbst wenn es das Hundertfache gekostet hätte. Schließlich hilft dir dieser Moment ein Leben lang.

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Der Schatten in mir – Fortsetzung?

library-425730_1280Wie geht es nun weiter?
Das Feedback zu meinem Buch „Der Schatten in mir“ war überwiegend positiv, und so fiel mir die Entscheidung leicht: Mein nächstes Buch wird auf den Ereignissen rund um Schwarzbach aufbauen!

Wie genau?
Nun, das werde ich vorerst offen lassen – schließlich weiß ich selbst noch nicht alle Details, außerdem werde ich vieles natürlich nicht verraten 🙂 Eine Kleinigkeit möchte ich jedoch jetzt schon preisgeben, und zwar ein paar Zeilen über ein Geschehnis unmittelbar nach dem Buch.

Aber Achtung – Spoiler! Dies ist nur für diejenigen bestimmt, die das Buch schon gelesen haben:

!SPOILER!

 

Von nun an werde ich regelmäßig Updates zu meinem Buchprojekt posten, außerdem weitere Hintergrundinfos zu „Der Schatten in mir“. Also bleibt dran und bis demnächst 🙂

 

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Interview mit mir (Liebster-Award)

liebsteraward

Die liebe Nika, auch bekannt als Bordsteinprosa, hat mich für den Liebster Award nominiert. Dabei geht es darum, tolle Blogs vorzustellen und sie bekannter zu machen. So hat sie selbst 11 Fragen beantworten dürfen, danach weitere 11 an mich gestellt. Anschließend gibt es 11 für meine Nominierten 🙂

1. Du bloggst, weil… ?

ich mich den Menschen mitteilen möchte. Nun geht das auf verschiedene Weisen, aber das Bloggen ist neben dem Bücherschreiben mein Favorit. Ich bin keiner, der bis tief in die Nacht hinein wild mit anderen Menschen schnattert. In meinem Kopf herrscht Chaos, und das muss ich erst in Ruhe sortieren, bevor ich es in die freie Welt hinaus lasse.

2. Über welches Thema möchtest du mal von Herzen schreiben oder bloggen?

Über das Schreiben hinaus interessiere ich mich vor allem für psychologische Themen – Persönlichkeitsentwicklung, Motivation, Krankheiten, how to deal with life. Mein großes Vorbild in der Beziehung ist Mark Manson. Dem hab ich sogar mal Fanpost geschrieben und das mache ich wirklich selten!

3. Brauchst du ein ganz spezielles Setting, um schreiben zu können und wenn ja, welches?

Ja, das Setting heißt: KEINE ABLENKUNG. Klar schreibe ich lieber im Garten, während die Sonne scheint, aber wirklich ideal wäre für mich nur ein abgeschotteter und leerer Raum –  abgesehen von einem Duden und einem PC, auf dem ich nur Word benutzen könnte.

4. Mit welchem Autor würdest du gerne mal privat was unternehmen?

Die Antwort fiel mir leicht: George R. R. Martin. Er ist nicht nur mein absoluter Lieblingsautor, sondern auch ein echt cooler Typ, mit dem man sich super unterhalten kann. Er wurde mal gefragt, wie es komme, dass seine weiblichen Charaktere so gut ausgearbeitet sind (ja, die Frage ist wirklich sehr dämlich). Seine Antwort: Weil er sie als Menschen betrachtet. Tja, davon können sich viele Autoren (und Filmemacher) mal eine Scheibe abschneiden. Natürlich geht es auch andersrum: Es gibt auch eine Menge Bücher, wo bloß die Männer klischeehaft und oberflächlich dargestellt werden und nur als Mittel zum Zweck dienen. (Oh, ich schweife ab)

5. Was inspiriert dich?

Einfach alles. Ich bin ein beobachtender Mensch. Überall nehme ich Dinge wahr, die anderen Menschen entgehen. Und all das kann mich potentiell inspirieren, ob Bücher/Filme, Abende mit Freunden oder der Gang zum Bäcker.

6. Fühlst du dich eher in der echten Welt oder in der Buchstabenwelt zuhause?

Ich fühle mich in beiden Welten sehr wohl, brauche aber von der echten Welt wesentlich schneller Abstand.

7. Über welchen Text/Tweet hast du als letztes gelacht?

Das war dann wohl der Tweet mit dem GIF, in dem Schweinsteiger und Boateng Volleyball gespielt haben 😀

8. Wie oft denkst du am Tag ans Schreiben?

Ich denke ständig daran, was sowohl förderlich als auch belastend sein kann. In der kreativen Phase ist das toll, so kommen mir über den Tag hinweg immer wieder neue Ideen. In der Phase der Überarbeitung übt es viel Druck aus, weil ich immer denke, ich könnte noch disziplinierter arbeiten.

9. Wie sortierst du deinen Kopf am besten, wenn er mal zu voll ist?

Im Prinzip klappt ein Setting-Wechsel am besten. Unter die Duschen zu gehen, kann schon reichen, noch besser ist der Gang an die frische Luft. Am besten dazu etwas machen, was mich ablenkt und intellektuell nicht zu stark beansprucht. Sport ist natürlich der Klassiker, aber auch Puzzeln wirkt wahre Wunder.

10. Welche Frage würdest du in einem Interview gerne mal beantworten? (Und die Antwort darauf bitte)

Ich würde gern die Frage beantworten, welche Frage ich gern mal beantworten würde. Spaß beiseite: Was muss in einem Buch passieren, dass du es danach einfach nicht mehr weiterlesen kannst? Antwort: Extrem unrealistische Dinge! Bei einem Kathy Reichs-Buch wusste die Heldin mal wegen eines Vollrauschs nicht, was sie die letzten 24h gemacht hatte. Sie hatte während des Suffs aber trotzdem ganz normal weiter für die Polizei an einem Mordfall gearbeitet, und daher musste sie dann – wie bei einer Schatzsuche – ihre eigenen Handlungen „ermitteln“ bzw. nachvollziehen. Really? Stichwort künstliche Spannung.

Die Frage dürfen meine Nominierten nun übrigens auch beantworten 🙂

11. Wo willst du dich in zehn Jahren sehen?

Ich bin ein bescheidener Mensch. Ich möchte eine Familie mit Kindern haben, dazu einen Job, der mir Spaß macht. Geld, Karriere, teure Autos etc. sind mir egal. Gegen ein wenig Fame als Autor hätte ich allerdings auch nichts einzuwenden 🙂

Für die nächste Runde nominiere ich:

Anne Grundig http://www.annegrundig.de/

KC aka Kathreen Claire Schulz https://kathreenclaire.wordpress.com

Hekabe http://www.geekgefluester.de/

Nora Bendzko https://norabendzko.com/news-und-live/

Meine Fragen an euch sind:

  1. Wie lange bloggst du schon und wie hat es angefangen?
  2. Was magst du an Twitter?
  3. Welche nicht-berühmte Person ist dein Vorbild und warum?
  4. Wie kamst du auf den Plot für dein aktuelles Buchprojekt?
  5. Was ist das Besondere an deinen Geschichten?
  6. Was muss in einem Buch passieren, dass du es danach einfach nicht mehr weiterlesen kannst?
  7. Zu welcher Tageszeit kannst du am besten arbeiten?
  8. Wie abhängig ist deine Stimmung vom Wetter?
  9. Wie gehst du mit einem Motivationstief um?
  10. Was ist dein Lieblingssport?
  11. Wie ist dein Verhältnis zu Lakritz?

Folgende Regeln müsst ihr dabei beachten:

  • Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in deinem Artikel.
  • Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, gestellt hat.
  • Nominiere 2 bis 11 weitere Blogger für den Liebster Award.
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
  • Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.
  • Das Beitragsbild kannst du optional in deinen Beitrag einfügen.
  • Schreibe diese Regeln in deinen Liebster-Award-Blog-Artikel.
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Neues aus der Schreibwerkstatt #1

PenNeulich wurde in der Facebook-Gruppe Nächtliche Schreibwerkstatt folgender Abschnitt von Denise Andersen diskutiert:

Ob ich mir wohl alle Knochen brechen würde, wenn ich hier hinunter fiel? Die Vorstellung, plötzlich unten am Boden zu liegen, mir alles gebrochen zu haben, überall Blut vorzufinden, war schrecklich.

Die Frage war: Ist diese Konstruktion „Die Vorstellung … ist schrecklich“ überhaupt nötig? Braucht man das Wort „Vorstellung“, wenn klar ist, dass es sich hierbei nur um einen Gedanken handelt? Und braucht man das Wort „schrecklich“, wenn der Gedanke doch für jeden Leser offensichtlich schrecklich ist?

Sie hat es nun ohne die Konstruktion geschrieben, das sah dann folgendermaßen aus:

Ich könnte plötzlich unten auf der Erde liegen und mir alles gebrochen haben. Ich würde hilflos im eigenen Blut liegen.

Einwand: Zu viele Hilfsverben! Klingt vernünftig und könnte man z.B. so umgehen:

Ich könnte plötzlich hilflos im eigenen Blut liegen und mir alles gebrochen haben.

Das ist natürlich schon arg gekürzt und nicht jedermanns Geschmack. Eine weitere Option – nun wieder mit der Konstruktion – wäre:

Welch schreckliche Vorstellung, sich alle Knochen zu brechen und hilflos im eigenen Blut zu liegen!
Einflussfaktoren

Nun haben wir erstmal 4 Versionen, bloß welche davon ist die beste? Die Antwort darauf ist ein eindeutiges: Kommt drauf an! Mir sind mehrere Faktoren eingefallen, die dabei eine Rolle spielen könnten:

  1. Kontext: Auf der Flucht am Rande einer Schlucht ist wahrlich ein anderes Setting als Tagträumen, während man aus einem geschlossenen Fenster guckt.
  2. Aus dem Kontext ergibt sich die Atmosphäre. Ist sie angespannt oder hektisch? Ist sie romantisch? (Wohl eher nicht) Ängstlich? Gefühlvoll?
  3. Erzählrhythmus: Dieser kann natürlich eng mit Kontext und Atmosphäre zusammenhängen, muss er aber nicht. Manchmal hält ein Autor kurze, handlungsstarke Sätze für angemessen, manchmal ausschweifende Sätze im Erzählstil, ausgeschmückt mit vielen Nebensätzen.
  4. Es kommt nicht nur auf den Inhalt an, sondern auch auf die Autorin und ihren Stil. Sätze können sich unauthentisch anfühlen, wenn sie sich stilistisch vom Rest unterscheiden. Wie ein ungebetener Fremdkörper. Aber Achtung: Sie können natürlich auch für gelungene Abwechslung sorgen.
Und nun?

Auch jetzt kann ich nicht sagen, welche Version die Beste ist. Das ist Geschmackssache, und ein Richtig oder ein Falsch gibt es sowieso nicht. Damit gilt letztendlich Punkt 5.

  1. Nach dem Gehör. Du kannst so theoretisch wie möglich an die Sache herangehen, wenn es sich schlecht anhört, ist es schlecht. Lies den ganzen Absatz und geh nach deinem Bauchgefühl. Oder – was meistens die bessere Wahl ist – lass den Abschnitt von anderen lesen und vertraue auf deren Bauchgefühl (oder auf deren Bauchschmerzen).
Viel Schreiben ist das A und O. Aber ein wenig Theorie schadet nie.
Bist du letztendlich nach Gefühl gegangen, kannst du dich danach fragen, warum es ausgerechnet diese Variante geworden ist. Schau dir die 4 Aspekte an und vielleicht erkennst du einen Zusammenhang. Wenn ja, hast du soeben einen wichtigen Lernfortschritt gemacht. Meiner Meinung nach ist dies nämlich der effektivste Weg, sein Schreiben zu verbessern:
Üben, üben, üben – mit einer Prise Theorie von Zeit zu Zeit.

 

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Der Infodump – auf den Müll damit!

infodumpJeder Autor produziert Müll. Besonders schlimm ist dieser stinkende Müllberg namens Infodump. Ich behaupte, dass ihn 90% aller Anfänger in ihren Text einbauen, doch auch Fortgeschrittene sind oftmals noch große Schmutzfinken.

 

 

Was ist ein Infodump?

Wie der Name schon sagt: Hier werden bloß Informationen angesammelt, die eigentlich niemand braucht. Eine Aufzählung von substanzlosen Behauptungen. Sie lesen sich wie ein Wikipedia-Artikel. Man nehme dieses Beispiel:

Annemarie wusste genau, was sie machen wollte: Sie wollte ihr Studium der Politologie mit gutem Abschluss absolvieren, danach auf Weltreise gehen. Endlich mal raus aus Göttingen! Sie wusste nur noch nicht, wie sie das mit ihren beiden Kindern unter einen Hut bringen sollte. Die fünfjährige Tina hatte Asthma und war sehr pflegebedürftig, weshalb Annemarie oft nicht so viel lernen konnte, wie sie es für ihr Studium eigentlich müsste. Und der kleine Hans war erst wenige Monate alt, und … bla bla bla bla

Ein Infodump dieser Art taucht meistens auf Seite 2 oder im dritten Abschnitt auf. Warum ausgerechnet da? Und warum so konstant an dieser Stelle? Nun, das liegt daran, dass Anfänger meist einem ähnlichen Schema folgen: Jeder weiß, dass man seine Geschichte spannend starten soll, also wird erstmal ein wenig Handlung eingebaut. Dann – wenn der Autor zufrieden mit der Einleitung ist – begeht er den Fehler:

»Oh schreck, jetzt muss ich dem Leser aber erstmal all die Hintergrundinformationen erklären, sonst versteht er meine Geschichte ja nicht.«

Und zack: Infodump-Alarm. Natürlich kann er auch an anderen Stellen eines Buches auftauchen.

Warum stinkt der Infodump so?

Erstens: Hättet ihr diesen Einschub an Informationen gern lesen wollen, wenn er eine eigentlich spannende Handlung rücksichtslos unterbrochen hätte? Zweitens: Könnt ihr euch noch an all die Informationen erinnern? Wie hieß die Tochter gleich?

Wenn man die Figuren nicht kennt, sind bloße Informationen für einen Leser nicht greifbar. Ich hätte auch Frau X und Studium Y schreiben können, das wäre aufs Gleiche hinausgelaufen.

Wie beseitige ich den Müll?

1. Schritt: Filtern! Es geht nicht darum, welche Informationen die Leserin für das gesamte Buch braucht. Es geht darum, welche sie jetzt für diese Szene braucht. Dies ist ein genereller Schreibtipp, aber gerade beim Start-Infodump wird er trotzdem häufig missachtet. Trau dich ruhig! Die Leser sind nicht dumm und brauchen nicht alles zu wissen. Im Gegenteil: Fehlende Informationen können sogar Spannung erzeugen.

Ja, dieser Schritt ist nicht einfach. Deine Leserin muss schon wissen, wo sie sich befindet und was überhaupt passiert. Du kannst nicht alle Informationen streichen. Wie so oft gilt hier: Finde die richtige Balance!

2. Schritt: Die gefilterten Informationen nun nach dem „Show, don’t tell“-Prinzip einbauen. Ganz klassisch.

3. Schritt: Die Infos, die durch das Sieb gefallen sind, verstreust du über den gesamten Text hinweg – immer dort, wo du sie für angebracht hältst. Hans-Peter Roentgen hat dies mit einem Striptease verglichen: Die Hüllen nach und nach fallen lassen statt alle auf einmal.

Ja, auch ich …

Vor einigen Jahren habe ich bei meinem damaligen Text geahnt, dass „irgendwas nicht stimmt“.  Er ging rasant los, wurde aber plötzlich zum Gähnen langweilig. Leider wusste ich nicht mit diesem Gestank umzugehen. Erst als ich zum ersten Mal über den Infodump gelesen habe, wurde mir schlagartig bewusst: In meinem Text hatte sich einer aufgetürmt – und zwar ein fetter.

 

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Rezension von: Opfermädchen (Laura Wörle)

»Es ist Der Sohn, der unsere Gemeinde terrorisiert. Er entführt unsere Töchter, vergewaltigt sie, tötet sie. Jedes Jahr. Und wir? Wir können uns nicht wehren, müssen gar schweigen, denn er hat uns in der Hand.«

Nun trifft es Melanie, die in der Gefangenschaft des psychopathischen Mannes ausharren muss – ohne viel Hoffnung zu überleben. Schön stellt die Autorin die verzweifelte Lage des Mädchens und ihre Gefühlswelt dar. Doch Hoffnung besteht sehr wohl, denn ein Trio macht sich auf, die Handlungsstarre der Gemeinde zu durchbrechen und auf eigene Faust zu handeln. Das Trio ist ungewöhnlich zusammengesetzt (ein 12jähriges Mädchen, ein jugendlicher Mann und eine Frau) – das ist mal etwas anderes und gefällt mir.

Das Werk ist handwerklich außerordentlich gut geschrieben. Was ich damit meine, ist: Der rote Faden zieht sich ohne Knoten durchs Buch, lineare Handlung, gut strukturiert, Spannungsaufbau bis zum Ende, sehr verständlich geschrieben, der Leser weiß immer, woran er gerade ist. Außerdem gibt es kaum eine Stelle, wo ich die Backen aufblase und sage: Puhhh, das hätte man auch einfach weglassen können (und die wenigsten Bücher können das von sich behaupten!). Dadurch liest sich die Geschichte sehr angenehm.

Die 12-jährige Nina ist ein interessanter Charakter. Sie konnte aus der Gefangenschaft des Killers fliehen. Einerseits ist sie traumatisiert, andererseits wurde ein unglaublich starker Wille in ihr geweckt, ihre Retterin Melanie zu befreien.

Insgesamt also ein guter, spannender Thriller. Warum „nur“ gut und nicht ausgezeichnet? Mir hat noch die Sahne auf der Torte gefehlt. Ich denke, das hat vor allem mit dem Killer zu tun. Auf mich hat er nicht ganz so den Schrecken ausgeübt, wie er vielleicht sollte. Mir wurde er zu sehr verniedlicht und nicht unvorhersehbar genug dargestellt. Außerdem habe ich ihm sein Motiv für seine Taten nur so halb abgekauft.

Ich bin sehr gespannt, was man von der Autorin noch erwarten darf. Das Schreibhandwerk sitzt, und wenn sie den nächsten Schritt geht und ihre Geschichten noch ein wenig komplexer ausarbeitet, darf sich die Thriller-Welt schon mal die Hände reiben.

Laura Wörle

 

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