Ist das jetzt eine Schreibblockade?

blockade2Die Schreibblockade: Das Monster, das sich genüsslich an deiner Inspiration labt, die sie dir aus der Seele gerissen hat. Manch ein Autor meint, die goldene Lösung dagegen gefunden zu haben, andere streiten die Existenz des Monsters einfach ab. Früher oder später saß aber sicher jeder Autor schon einmal vor einem leeren Blatt, sei es für einen Tag oder für mehrere Monate.

 

Nun gibt es viele Erklärungen für eine potentielle Blockade und noch viel mehr Lösungen. Warum ist das so? Zunächst natürlich, weil jeder Mensch verschieden ist. Allerdings gibt es auch ein fundamentales Problem, das ich hier ansprechen möchte: Nicht jeder versteht unter einer Blockade dasselbe. Verschiedene Probleme, die beim Schreiben auftreten, werden häufig einfach als Schreibblockade verdonnert, ohne zu hinterfragen, was genau dieses Problem eigentlich ausmacht. Dementsprechend vielfältig sind auch die Lösungsvorschläge, die oftmals gar nicht zum jeweiligen Problem eines Autoren passen.
Während ich so die Schreibblogs durchforste, entdecke ich – mit fließenden Übergängen – fünf grundsätzliche Arten von Autorenproblemen, die allesamt gerne als Blockade bezeichnet werden:

  1. „Mir fällt nix ein.“
    Der Klassiker. Das typische Bild eines Künstlers, der vergeblich auf eine göttliche Inspiration wartet.
  2. Ich weiß nicht, wie ich das schreiben soll.“
    (1) handelt davon, WAS man schreiben soll, bei (2) weiß man es, findet aber keine Lösung für das WIE. Trotzdem finde ich beide Punkte sehr ähnlich: Man findet einfach keine Ideen, sei es zum Plot (1) oder zu den Worten (2).
    Wichtig: Viele Autoren behaupten, dass (1+2) keine Blockade seien, sondern bloß das Resultat einer zu hohen Anspruchshaltung. Ob das stimmt oder nicht, will ich so pauschal nicht beurteilen, da die Leistung eines Gehirns von unzähligen individuellen Faktoren abhängt.
  3. „Alles mies, was ich schreibe.“
    Im Gegensatz zu (2) schreibt man in diesem Fall wenigstens was nieder, allerdings stinkt jedes Wort zum Himmel – jedenfalls denkt man das. Auch hier ist der Aspekt der Anspruchshaltung zu berücksichtigen.
  4. „Ich kriege meinen Hintern nicht hoch.“
    Dies ist in meinen Augen keine Blockade, sondern ein Motivationsproblem. Denn hat man erstmal angefangen zu schreiben, flutscht es meistens wie von selbst. Hier helfen Tipps à la: Richte dir feste Schreibzeiten ein.
  5. „Ups, schon wieder auf Facebook.“
    Hierbei geht es um Prokrastination und somit um Konzentrationsschwäche. Dies kann aus (1-3) resultieren, muss es aber nicht. Auch dies ist – genau wie 4 – gesondert zu betrachten. Wer daran leidet, sollte unbedingt diesen Artikel lesen: http://waitbutwhy.com/2013/10/why-procrastinators-procrastinate.html

Fazit:
(4+5) sind für mich keine Schreibblockade, höchstens die Folgen von einer. Es sind schlichtweg Probleme anderer Art.
Ob man mit seinem Geschriebenen zufrieden ist, ist abhängig von der aktuellen Leistungsfähigkeit (Tagesform) und der Anspruchshaltung (die ebenfalls tagesabhängig ist!). Ist die Anspruchshaltung auf BILD-Niveau und man bringt trotzdem nichts zu Papier, würde ich dies als Schreibblockade bezeichnen. Manchmal ist eine Gehirnhälfte einfach überlastet. Einige mögen mir da widersprechen, aber das ist im Prinzip auch egal. Wichtig ist nur: Identifiziere dein Problem! Ist es die Kreativität oder doch nur die eigene Anspruchshaltung? Ist es die Konzentration oder bloß die Motivation? Finde es heraus, denn erst dann kannst du effektiv nach Lösungen suchen.
PS: Lösungsvorschläge folgen in separaten Artikeln 🙂

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