2016 – Mein persönlicher Autoren-Jahresrückblick

2016

Januar 2016

Draußen tobt ein Sturm, es ist nass, kalt und dunkel. Ich sitze an meinem Rechner, eingemurmelt in einer Decke. Die Katze schläft auf meinem Schoß und seufzt. In den Chai-Tee habe ich wie immer besonders viel Vanille reingemacht.
Ich arbeite an meinem Manuskript, es soll mein erster Roman werden. Zu diesem Zeitpunkt bewege ich mich noch komplett in meiner eigenen Welt, abgeschottet vom Rest der Menschheit. Sogar in meinem engsten Umfeld wissen nur die wenigsten davon, dass ich schreibe. Denn was ist, wenn ich scheitere? Will ich mich mit diesem Text wirklich an die Öffentlichkeit wagen?
Ich bevorzuge das stille Kämmerlein. Das ist meine Komfortzone, hier fühle ich mich wohl. Wobei das auch nicht ganz richtig ist, denn gut fühlt man sich nicht, wenn man sich irgendwo im Nichts bewegt und gar nicht weiß, wohin man eigentlich will. Ein Ende des Manuskripts ist jedenfalls nicht in Sicht. Ich hänge mich an unzähligen Kleinigkeiten auf und die Selbstzweifel schlagen in unliebsamer Regelmäßigkeit zu. In der Autorenszene kenne ich niemanden und niemand kennt mich. Ganz zu schweigen davon, dass ich arbeitslos bin.
Trotzdem treibt mich etwas voran. Ich erreiche den point of no return. Ab jetzt muss ich es durchziehen, schließlich habe ich schon viel zu viel Herzblut in diese Geschichte gesteckt, als dass ich sie noch in den Papierkorb werfen könnte. Außerdem glaube ich immer noch daran, dass diese Geschichte und meine Protagonisten ganz cool sein könnten.

März 2016

Ich wage den Schritt. Mein Text ist fertig und geht an die Testleser raus, außerdem an die Lektorin. Zum ersten Mal lesen andere Menschen, was ich da verzapft habe. Teilweise völlig fremde Menschen. Ein seltsames Gefühl.
An dieser Stelle könnte meine Autoren”karriere” auch schon wieder enden. Eine Frage wie »Sorry, was soll das sein?« würde mir garantiert die Luft abschnüren. Vielleicht würde auch schon ein gequältes »Ja, mhm, war ganz okay irgendwie.« reichen. Doch das Feedback ist größtenteils gut und das gibt mir den entscheidenden Motivationsschub. Also zurück ins stille Kämmerlein und die letzten Bearbeitungsschritte vornehmen.

Juni 2016

Mein Buch erscheint.
Realisieren kann ich das gar nicht so richtig. Es ist bei Amazon erhältlich. Man kann dort meinen Namen suchen und kriegt sogar ein Ergebnis. Verrückt! Aber was ich da geschaffen habe, wird mir erst in den kommenden Wochen bewusst, nämlich wenn Bekannte mich auf das Buch ansprechen. Das ist erstmal ein wundervolles Gefühl, natürlich, aber das kann jeden Tag ins andere Extrem wechseln. Ich verstecke mich ja nun nicht mehr in meinem sicheren Zuhause, sondern bewege mich nackig durch die Öffentlichkeit – jeden Tag und jede Nacht. Ab jetzt bin ich verwundbar. Ich durchlebe die emotionalste Zeit meines Autorenlebens. Jedes Feedback katapultiert mich entweder in den Himmel oder rammt mich in den Boden. (Über diese Achterbahn der Gefühle habe ich übrigens schon geschrieben: Gute Rezi, schlechte Rezi)
Ein Netzwerk habe ich zu dem Zeitpunkt immer noch nicht. Ich bin zwar veröffentlichter Autor aber trotzdem noch ein Niemand. Im Nachhinein war das vielleicht mein größter Fehler in diesem Jahr: Ich habe monatelang den Kontakt zu anderen Autoren vermieden, dabei ist das nicht nur ungeheuer wichtig, sondern macht mir persönlich auch riesigen Spaß. Das sollte sich nun ändern. Ich melde mich auf Twitter an. Es mag doof klingen, aber dieser Schritt hat mein Leben verändert. Ich lerne in kurzer Zeit so viele tolle Menschen kennen (einige später auch privat), dass ich mir nicht mehr vorstellen kann, auf diese Plattform zu verzichten.

Dezember 2016

Stand heute: Bisher ist es bei einem Buch geblieben, da ich ein furchtbar langsamer Schreiber bin. Aber das ist okay. Ich habe ein paar negative Erfahrungen gemacht, doch die positiven überwiegen. Und genau das ist es, das mich darin bestärkt, weiterzumachen. Sicher, es ist auch heute noch ein tolles Gefühl, Amazon zu öffnen und dort sein eigenes Werk vorzufinden. Doch ich weiß nicht, ob ich ohne die vielen guten Rezensionen nicht schon längst wieder zurück ins stille Kämmerlein geflüchtet wäre – dann allerdings ohne Stift und Papier.
Ich realisiere, wie wichtig gerade das erste Buch ist.
Das zweite Buch ist bereits in der Mache. Es wird noch ein paar Monate dauern, doch ich freue mich wahnsinnig darauf. Ich habe aus meiner ersten Geschichte sehr viel gelernt und hoffe, diesmal einige Fehler vermeiden zu können. Jedenfalls finde ich meine neue Geschichte packender und emotionaler als die alte. Auf zwei, drei Szenen bin ich schon seit Wochen scharf und wenn ich ständig an sie denken muss, müssen sie ja irgendwie cool sein, oder? Doch ich muss geduldig bleiben, denn sich beim Schreiben zu hetzen, schadet bloß der Qualität.
Mein Netzwerk wächst. Trotzdem freue ich mich immer noch wie ein Kind über jede einzelne Nachricht. Ich bin beim Antworten nicht immer der Schnellste, aber nehmt es mir nicht übel – manchmal brauche ich einfach meine Zeit.
So far, so good? Wartet, der vielleicht wichtigste Punkt kommt zum Schluss. Denn ich bin der Meinung, dass ich nun ein Thema anspreche, das viele Menschen unterschätzen. Inzwischen habe ich wieder einen Job und in dem mache ich genau das, was ich auch privat gerne mache: Autoren beraten und betreuen, bloggen, Social Media, Manuskripte sichten, netzwerken etc. Für mich ein absoluter Glücksfall! Natürlich bin ich mir bewusst, dass nicht jeder solch einen Weg einschlagen kann. Trotzdem hoffe ich, dass jeder, der diese Zeilen liest, sich meinen Tipp zu Herzen nimmt: Geht eurer Leidenschaft nach! Es ist keine Schande, den Faktor Spaß als eines der wichtigsten Kriterien bei der Berufswahl zu definieren. Kurzfristig mag es auf andere Dinge ankommen, aber langfristig wird es sich bemerkbar machen, wenn die Arbeit keinen Spaß macht. Diese Lektion habe ich in diesem Jahr gelernt.

Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt. Stimmt ihr mir zu oder bin ich bloß ein romantischer Träumer?

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Spannung aufbauen – fünf Techniken, um den Leser zu fesseln

suspenseSpannung ist für viele immer noch ein abstrakter Begriff. Sie sehen sie als eine Art Aura an, die jeder spürt, aber niemand so richtig erklären kann. Manche Autoren „haben sie einfach“, andere nicht. Sie glauben, dass Stephen King einfach drauflos schreiben kann und seine Zeilen automatisch alle in den Bann ziehen. Doch auch er wird dir sagen, dass Spannung zu erzeugen ein Handwerk ist, das man mit harter Arbeit erlernen kann – wie fast alles beim Schreiben. Es gibt bestimmte Techniken, auf die man zurückgreifen kann, und einige davon zeige ich in diesem Artikel auf.

Was steht auf dem Spiel?

Carl möchte eine Bank ausrauben. Aber warum will er das tun? Will er sich auf Hawaii ein paar Cocktails in den Kopf knallen oder braucht er das Geld für die Operation seiner todkranken Tochter? Im ersten Fall ist es im Prinzip egal, wie es ausgeht – ein Gefängnisaufenthalt ist zwar doof, aber hat er ja auch nicht anders verdient. Im zweiten Fall jedoch steht weitaus mehr auf dem Spiel. Jede Entscheidung, jede Handlung, jedes Wort kann seiner Tochter das Leben kosten. In welchem Szenario werden die Leser also eher mit Carl mitfiebern?

Um eine schöne Spannungskurve aufzubauen, kann man den Einsatz während der Geschichte erhöhen. Zuerst möchte die Ermittlerin einen Mörder stellen. Dann findet sie heraus, dass der Mörder wieder zuschlagen wird. Nun geht es um die Prävention weiterer Todesopfer, es steht also mehr auf dem Spiel und die Spannung steigt. Der finale Schritt ist dann oft, dass die Ermittlerin persönlich involviert wird, z. B. krallt sich der Mörder einen Familienangehörigen. Jetzt ist die Spannung auf dem Höhepunkt, weil es für sie persönlich um alles oder nichts geht.

Negativbeispiel: So sehr ich die Serie 24 auch mag, sie übertreiben es gerne mal damit, den Einsatz zu erhöhen. Zunächst will Jack Bauer „nur“ eine Terrororganisation stoppen. Dann findet er heraus, dass es um etwas viel Größeres geht und die eigentlichen Drahtzieher ganz woanders sitzen. Irgendwann kommt es zum Bombenanschlag mit 300 Toten, doch auch der war nur ein Täuschungsmanöver, um von der EIGENTLICHEN Gefahr abzulenken etc.

Das Unbekannte

Ihr habt morgen ein Vorstellungsgespräch – Panik! Wenn ihr aber im Vorhinein mit dem Chef telefoniert habt oder zumindest von der Homepage wisst, wie er aussieht, kann das eure Angst mindern. Es hilft sogar schon, wenn man bereits vor Ort war und den Raum kennt. Denn nichts ist schlimmer, als wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt. In dem Fall malt sich das Gehirn die schlimmsten Szenarien aus. Den Geist im Horrorfilm kriegt man zu Beginn des Films nicht gezeigt, weil die Ungewissheit, womit man es zu tun hat, eine zentrale Rolle in diesem Genre spielt. Sie erzeugt Spannung und Gruselfaktor.

Es ist also oftmals ratsam, Sachverhalte nicht sofort vollständig zu beschreiben oder aufzuklären. Die Betonung liegt hier auf „nicht vollständig“. Um diese Art der Spannung zu erzeugen, müssen die Leser zumindest wissen, dass irgendwas im Busch ist. Etwas einfach vorzuenthalten, bringt da eher wenig.

Beispiele für die Technik des Unbekannten gibt es in jedem Genre:

  • Worauf lässt sich der Held ein, wenn er die unbekannte Welt betritt?
  • Auf welcher Seite steht Professor Snape tatsächlich?
  • Der geheimnisvolle Typ mit dem charmanten Lächeln scheint nicht das zu sein, was er vorgibt – ein Klassiker in Romanzen.
  • Die Terroristen planen einen Anschlag, aber wo und wann?
  • Was verbirgt sich hinter der verbotenen Tür? Oder welche Gefahren lauern in der abgeschiedenen Holzhütte mitten im Wald, in der das Licht im Keller nicht funktioniert?
Informationen vorenthalten

Das Unbekannte soll natürlich im Laufe der Geschichte aufgeklärt werden, sonst sorgt das für frustrierte Leser. Damit die Spannung aber nicht verloren geht, empfiehlt es sich, nicht alles auf einmal zu erläutern, sondern häppchenweise über den Text zu verteilen. Beispiele:

  • Ich persönlich finde Krimis deutlich spannender, wenn sich für die Ermittler das Puzzle erst langsam zusammensetzt, als wenn sie ewig im Dunkeln tappen und am Ende ein „Aha“-Moment alles auf einmal aufklärt.
  • Wo wir eben schon bei Harry Potter waren: Dumbledore ist ja der König der Andeutungen. Er verrät immer nur so viel, dass Harry zwar etwas damit anfangen kann, er und die Leser aber weiter grübeln müssen.
  • Mit seinem letzten Atemzug plaudert der Schwerverletzte etwas aus, doch den entscheidenden Satz schafft er nicht mehr. Man kommt der Wahrheit also näher, erreicht sie jedoch noch nicht.
  • Hintergründe zu Protagonisten oder Ereignissen werden gerne über mehrere Rückblenden vermittelt.
Ich sehe was, was du nicht siehst

Gemein ist auch, wenn die Leser etwas wissen, was der Protagonist nicht weiß. Kennt ihr das, wenn ihr einer Buchfigur zuschreien wollt: »Tu es nicht!« In diesem Fall wisst ihr, was sie erwartet. Aber diese Unfähigkeit, eingreifen zu können, treibt einen in den Wahnsinn, und man will unbedingt wissen, wie die Figur darauf reagieren wird.

Die Zeit läuft ab

Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Mörder einem gewissen Muster folgt und in zwei Tagen wieder zuschlagen wird. Die Uhr tickt also, und die Ermittler haben nur noch ein vorgegebenes Zeitfenster, um einzugreifen. Und je länger die Sanduhr rieselt, desto dramatischer wird es. Oft finden sie kurz Ablauf der Zeit den Ort des Geschehens heraus. Dann entscheidet jede Sekunde.

Negativbeispiel: In einem Buch sagt die Hauptfigur zu seinem Kollegen: »Wir haben etwa 15 Minuten Zeit, bis sie auf uns aufmerksam werden.« Das Problem daran: Diese Zeit war eine völlig arbiträre Schätzung. Woher sollte er wissen, dass es GENAU 15 Minuten dauern würde? Das Zeitlimit war also künstlich erzeugt und wirkte daher lächerlich. Noch fünf Minuten. Noch drei. »Oh mein Gott, nur noch eine Minute! Mach schneller!«

 

Hier mache ich nun Schluss. Es gibt natürlich noch zahlreiche andere Techniken, um Spannung zu erzeugen oder aufzubauen. Wenn euch eine einfällt oder auch ein gutes Beispiel, dann schreibt mir doch – am besten auf Facebook oder hier auf der Homepage. Würde mich freuen 🙂 Den nächsten Artikel gibt es dann am nächsten Samstag.

PS: Inspiriert zu diesem Artikel hat mich übrigens The plot thickens von Noah Lukeman (Dort stehen weitere Beispiele drin).

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Neues aus meiner Welt #3 – Wie ich mein neues Buch geplottet habe

treehouseWährend ich samstags über das Schreiben blogge, erzähle ich sonntags mehr über mich und meine Projekte. Vorher hab ich das montags gemacht, aber der Sonntag passt mir dann doch etwas besser 🙂 Also, here we go: Heute ist wieder mein neues Buchprojekt mit dem Arbeitstitel „Das Feuer in mir“ dran.

 

Mittlerweile habe ich 6 Kapitel geschrieben, vom Gefühl her ist das noch nicht einmal ein Fünftel vom Gesamtwerk. Dies liegt auch daran, dass ich viel unterwegs war und somit nicht viel zum Schreiben kam. Hauptgrund ist aber, dass ich diesmal weitaus mehr Zeit mit der Planung im Voraus verbracht habe. Viele haben mich gefragt, wie ich dabei vorgegangen bin, also möchte ich euch heute meine Strategie vorstellen 🙂

Bei meinem ersten Buch herrschte das Chaos (nunja, nennen wir es lieber Spontanität): Ich hatte nur eine sehr grobe Vorstellung vom Handlungsverlauf, dafür viele kleine Ideen, die ich irgendwie einbringen wollte. Also habe ich mehr oder weniger drauflos geschrieben und die Geschichte sich frei entwickeln lassen. Hat teilweise super geklappt, teilweise bin ich aber auch gegen Wände gerannt. Und wenn das passiert, muss man sich aus dem Labyrinth erstmal wieder herausarbeiten. Das kann dazu führen, dass man ganze Kapitel umschreiben, löschen oder hinzufügen muss. Super anstrengend! Dabei den Überblick über sein Projekt zu bewahren, ist ganz schön schwer. Daher wollte ich nun einen anderen Ansatz ausprobieren und viel mehr im Voraus strukturieren.

Dabei bin ich folgendermaßen vorgegangen:

  1. Das zentrale Thema und grob die Geschichte dazu ausgearbeitet. Das ist alles im Kopf passiert, teilweise sogar schon, während ich noch am ersten Buch gearbeitet hatte
  2. Die beiden Hauptfiguren ausgearbeitet
  3. Die Handlung etwas detaillierter geplant. Allein das waren zwei Wochen intensives Brainstorming, und auch jetzt denke ich immer noch darüber nach
  4. Alle möglichen Aspekte des Buches durchstrukturiert. Was ich damit meine, ist Folgendes:
  • Die Struktur verschiedener Institutionen
  • Die Orte (Städte, Wald etc.)
  • Die Mythologie, vor allem auch die Geschichte dahinter
  • Bestimmte themes, die ich über das Buch hinweg einbaue, z. B. wie ich die Spannung erhöhe, wie ich die Charaktere sich entwickeln lasse, wie die Ereignisse im Königreich voranschreiten, wie Menschen über die Zeit ihre Meinung ändern etc.
  • Im Buch kommt eine Art Sekte vor, daher habe ich Sekten recherchiert und meine eigene mithilfe dessen kreiert
  • Die Rollen der Nebenfiguren
  • Das Ende ausgedacht. DAS war/ist wohl das schwerste von allem^^
  • Die Landkarte
  • Der Auslöser des Buches wird ein Vulkanausbruch sein. Daher musste ich auch darüber recherchieren
  • Hauptfigur #2 möchte Hauptfigur #1 von etwas überzeugen (Details folgen 🙂 ). Wie er dabei vorgeht, muss sorgfältig geplant werden. Er kann nicht beim ersten Gespräch alle Argumente auf einmal bringen. Außerdem muss er auf ihre Reaktionen und auf andere Ereignisse reagieren.
  • Dann habe ich noch alle Zweifel aufgeschrieben, die ich an meiner Geschichte habe, und Lösungsansätze gesucht (z.B. ist meine Hauptfigur vielleicht zu langweilig?)
  • Und einfach ganz spontan aufkommende Ideen gesammelt

Das waren insgesamt elf vollgeschriebene Notizblätter. Ich könnte noch viel weiter ins Detail gehen, aber das würde jeden Rahmen sprengen. Ihr seht also: Hinter der Planung eines Buches kann eine Menge Arbeit stecken.

Die nächsten Neuigkeiten aus meiner Welt wird es leider erst in 2-3 Wochen geben (Urlaub, yeah!). Dafür werden – olé olé – diese ganz besonders aufregend sein. Ich werde nämlich endlich ein wenig was zur Handlung erzählen. Und ich werde auch erklären, inwiefern die Geschichte mit den Geschehnissen aus meinem ersten Buch zusammenhängt. Also bleibt geduldig 🙂

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Warum Leser ein Buch abbrechen – Auswertung einer Umfrage

sleep_book_kleinDie amerikanische Plattform Goodreads hat eine große Umfrage gestartet. Sie wollte wissen, aus welchen Gründen Leser ein Buch zu Ende lesen oder in die Tonne werfen. Die wichtigsten Ergebnisse habe ich für euch zusammengefasst und kommentiert. Besonders am Herzen lag mir: Was können Autoren daraus lernen?

Die kompletten Ergebnisse findet ihr übrigens hier.

Warum Leser ein Buch abbrechen
    • Fast die Hälfte aller Teilnehmer (und damit überwältigende Mehrheit) gab an: ‚Langsam + langweilig‘! Viele stören sich daran, wenn das Buch einfach nicht zur Sache kommt, z. B. wenn nichts passiert oder der Autor sich mit seitenweise Beschreibungen aufhält, die niemanden interessieren.
      Was ich daraus lerne: Während des Überarbeitens stampfen Autoren ihre Texte ein. Oft braucht es große Überwindung, bereits Geschriebenes wieder zu löschen. Und auch wenn sie es schaffen, fragen sie sich anschließend, ob sie vielleicht zu viel gekürzt haben. Die Umfrage zeigt aber, dass man grundsätzlich eine schnelle, handlungsstarke Geschichte anstreben sollte (außer bei ganz bestimmten Zielgruppen). Also: Der Rotstift ist euer Freund!
      Beispiel: Ich bin dafür bekannt, so kurz und knapp wie möglich zu schreiben und auch zu sprechen. In meinem Buch geht es daher Schlag auf Schlag, und langwierige Beschreibungen vermeide ich. Bisher haben sich aber nur 2-3 Leser darüber beschwert, dass es ihnen zu schnell gehe, und dies war für sie auch kein wesentlicher Kritikpunkt, sondern nur ein nebensächlicher.

 

    • Fast jeder Fünfte legt das Buch weg, weil es schlecht geschrieben ist. Das ist mit gutem Vorsprung Grund #2 und liegt damit auch vor dem Grund: ‚Lächerlicher oder nicht-existierender Plot‘. Das soll nicht heißen, dass den Leuten die Sprache wichtiger ist als der Plot. Trotzdem ist es offenbar eher in der Lage, Frust beim Leser hervorzurufen. Also nehmt euch die nötige Zeit, die ihr zum Überarbeiten braucht. Geht gewissenhaft vor, auch wenn diese Arbeit zäh ist. Und natürlich: Lasst jemanden korrigieren, besser noch lektorieren!
      Was ich daraus lerne: Nichts, denn hier gilt meiner Meinung nach sowieso: Man sollte sowohl am Plot als auch an der Sprache so gewissenhaft wie möglich arbeiten – keine Ausreden!

 

    • Übrigens nannten nur 5% den Grund: ‚Ich mag die Hauptfigur nicht‘. Dies ist deutlich weniger als ich erwartet hätte. Immerhin gilt: Wenn die Leserin die Hauptfigur nicht mag, fiebert sie auch weniger mit. Und dann ist das Buch weniger spannend. Dies wird durch die Umfrage ja auch nicht widerlegt, trotzdem ist eine unsympathische Hauptfigur für die wenigsten ein Grund, ein Buch komplett wegzulegen. Solange sie den Plot oder andere Figuren gut finden, können sie über diesen Makel hinwegsehen.
      Was ich daraus lerne: Auch hier sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Es kommt ja nicht darauf an, dem Leser ein Buch zu schenken, das er zumindest zu Ende liest. Nein, er soll unterhalten werden, soll es verschlingen. Da zählt eine Hauptfigur, mit der er sich identifizieren kann, dazu. Bitte vernachlässigt das nicht aufgrund dieser Statistik.
      a3f273ac-aa87-46c8-a2ba-9441f146971a-2060x1236Exkurs: Wenn man Charaktere nicht leiden kann, muss das nichts Schlechtes sein. Ein Beispiel ist King Jeoffrey aus Game of Thrones (hier geht es jetzt nicht um Hauptfiguren). Absolut JEDER hasst ihn aus tiefstem Herzen. Aber gerade deshalb ist er wichtig für die Story. Die Leute wollen ihn unbedingt bluten sehen, und das lässt sie mitfiebern.

 

  • Schlussfazit: Ich möchte jeden davor warnen, die Umfrageergebnisse falsch zu interpretieren. Sie bedeuten z.B. nicht, dass der Plot und eine gute Hauptfigur eher nebensächlich sind. Auf gar keinen Fall! Sie zeigen bloß, dass die Leser über eine schlechte Hauptfigur eher mal hinwegsehen können, wenn andere Aspekte stimmen. Über einen schlechten Schreibstil allerdings weniger, selbst wenn das Buch an sich gut ist.
Was bewegt Menschen zum Weiterlesen?
    • Hier kann man mehrere Antworten zusammenfassen: Über 50% beenden ein Buch quasi aus Prinzip – egal, wie sehr sie dabei leiden (Warum tun sie sich das an? Es gibt so viele gute Bücher, die man stattdessen lesen könnte 😀 ).
      Was ich daraus lerne: Zumindest zeigt es, dass man ein schlechtes Buch noch einigermaßen retten kann, wenn zumindest das Ende gut ist. Etwas lernen kann ich aus dieser Statistik allerdings nicht – zumindest nichts Sinnvolles.

 

    Die meisten Leser wollen bloß unterhalten werden.
  • Ein Viertel aller Befragten antwortete: »Ich muss wissen, wie es weitergeht.« Dies spricht auf folgenden Aspekt an: Die Kurzzeit-Erfahrung. Selbst bei schlechtem Plot und schlechten Figuren gilt also: Wenn die Autorin es schafft, die Spannung aufrechtzuerhalten, werden die meisten Leser nicht aufhören können zu lesen.
    Was ich daraus lerne: Eine Lektion, die auch Noah Lukeman in seinem hervorragenden Buch The plot thickens predigt: Er kritisiert nämlich, dass viele Autoren die Spannung vernachlässigen, weil sie die Priorität auf den literarischen Wert legen. Dabei wollen die meisten Leser bloß unterhalten werden.
Auf welchen Seiten Leser ein Buch abbrechen
    • Viele beenden ein Buch auf den Seiten 0-50 (16%), die meisten bei 50-100 (28%). Manche Leser sind also knallhart und legen ein Buch sofort weg, wenn es sie nicht anspricht. Deutlich mehr Leser gewähren dem Autor zumindest weitere 50 Seiten, um noch die Kurve zu kriegen. Der Autor hat also einen kleinen Puffer.
      Was ich daraus lerne: Hier wird das Rad nun wirklich nicht neu erfunden. Der Anfang ist besonders wichtig, wer hätte das gedacht? Und doch lese ich viele Bücher, bei denen am Anfang kaum etwas passiert. Denkt daran: Nichts ist schädlicher als ‚langsam+langweilig‘. Viele Autoren wollen am Anfang zu viel erklären (siehe auch: Infodump), und das schreckt die Leser ab.

 

  • 100 Seiten erstmal geschafft, wird die Leserin das Buch meistens auch beenden (etwa 82%).
    Was ich daraus NICHT lerne: Natürlich sind Anfang und Ende psychologisch gesehen deutlich wichtiger als der Mittelteil. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle warnen. Denn verdammt vielen Büchern trage ich nach, dass sie ja sooo toll wären, wenn sich doch bloß nicht der Mittelteil so ewig gezogen hätte. Also wenn ihr dem Mittelteil schon weniger Beachtung schenkt, dann vernachlässigt ihn wenigstens nicht völlig. Und bitte zieht euer Buch nicht künstlich in die Länge, nur weil ihr euch zum Ziel gesetzt habt, euer Buch müsse unbedingt 60k Wörter haben.
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Neues aus meiner Welt #2

treehouseWie schön, dass ich heute mit einem Erfolgserlebnis starten kann! Mein Märchen „Drachenhohn und Schmetterlingsstaub“ hat beim Schreibwettbewerb im Rindlerwahn-Forum den 2. Platz belegt und mir somit die Teilnahme im großen Finale gesichert. Das Märchen handelt vom Schmetterling Liyu, der gerne ein Drache wäre. Falls ihr Interesse habt, könnt ihr es hier lesen 🙂

 

Hauptprojekt

Letzte Woche habe ich die ersten Zeilen für mein neues Projekt „Das Feuer in mir“ zu Papier gebracht. Dabei durfte ich wieder feststellen: Der Anfang eines Buches macht immer ganz besonders viel Spaß :)! Bevor ich damit allerdings anfangen konnte, hatte ich erstmal mit einer umfangreichen Planung zu kämpfen (anders als beim ersten Buch, bei dem ich „drauf los“ geschrieben hatte). Und das war echt schwere Arbeit, vor allem mit dem Ende hatte ich so meine Probleme. Nunja, ich hoffe, das perfekte Ende gefunden zu haben 🙂 Natürlich kann sich die Story aber noch ändern. Während des Schreibens entwickeln sich Handlung und Figuren von selbst, und nicht selten schlagen sie Wege ein, an die man vorher nicht einmal gedacht hatte. Ich denke, als Autor ist es wichtig, diese natürlichen Entwicklungen auch anzunehmen, statt stur seinem vorgefertigten Plot zu folgen.

Gemeinschaftsprojekt

Nebenbei schreibe ich an einem Gemeinschaftsprojekt mit meiner lieben Kollegin Vinya Moore. Es handelt sich um eine Erotik-Geschichte, die in Vancouver spielt. Ja, damit bewege ich mich auf fremdem Terrain, aber ich probiere mich gerne aus und sammle neue Erfahrungen. Wir schreiben die Kapitel übrigens abwechselnd, ohne uns dabei großartig abzusprechen. Wir müssen also immer spontan darauf reagieren, was der andere so geschrieben hat, und das ist eine echt unterhaltsame Weise, eine Geschichte zu entwerfen.

Das war es auch schon wieder 🙂 Die nächsten Montags-News werden übrigens ausfallen, der Blogbeitrag am Samstag ebenfalls. Ich bin die Tage nämlich viel unterwegs. Dafür werde ich vielleicht ein paar schöne Bilder hochladen 🙂

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Neues aus der Schreibwerkstatt #2

PenKennt ihr das: Ihr lest ein Buch und habt das Gefühl, die Dialoge wirken künstlich? Da spricht eine Figur, und sie spricht ganz normales Deutsch, und trotzdem kommt es euch einfach nicht echt vor.

 

 

Passieren kann dies, wenn der Autor sich nicht richtig reinversetzen kann in

  • Seine Figur
  • Die Situation
  • Die Sprechweise von „richtigen“ Menschen

Alle diese Punkte sind komplexe Themen mit zahlreichen Unterpunkten – alle einen Blogartikel wert 🙂 Gerade allerdings arbeiten wir in einer Werkstatt, daher genug der Worte und ran an die Arbeit.

Letztens bin ich über folgenden Dialog gestolpert. Mit Absicht zeige ich ihn erstmal ohne weiteren Kontext. Ihr müsst nur wissen, dass es gerade eine hektische Situation ist. Ein 20-jähriger, ganz durchschnittlicher Typ sagt zu seinem Kumpel:

… Weil wir unsere Handys nicht bei uns haben, gehen Danny und ich zum Auto und rufen von da aus an …

Würde ein stinknormaler 20-jähriger so zu seinem Kumpel reden? Wenn es gerade hektisch zugeht? Stellt euch die zwei Jugendlichen mal vor. Also ich behaupte ganz klar: Nein! So reden Menschen einfach nicht, erst recht keine Jugendlichen, erst recht nicht, wenn es schnell gehen muss. Was haltet ihr davon:

Wir haben unsere Handys nicht dabei, wir gehen kurz zum Auto und rufen von da aus an …

Klingt das nicht schon viel natürlicher? Das ist vielleicht kein schönes Deutsch, und niemals würdet ihr einen normalen Text auf diese Weise schreiben, doch so reden Menschen nun mal, also sollten eure Figuren das auch tun. Nur dann wirkt es realistisch. Ihr müsst euch also in die Figuren hineinversetzen können und euch fragen, wie – je nach Situation – ihr selbst, euer Kumpel, eure Oma, der Anwalt, die Nachbarin etc. das ausdrücken würden. In diesem Fall hat der Autor das nicht getan. Die Folge: Vom Stil und vom Klang her klingt sein Dialog genauso wie der Text drum herum.

Menschen reden vor allem in Hauptsätzen.
Übrigens: Seitdem ich diesen Dialog gesehen habe, achte ich darauf, wie wir Menschen sprechen. Und eines wurde mir schnell klar: Wir benutzen vor allem Hauptsätze. Nebensätze sind in gesprochener Form weitaus seltener als in geschriebener. Und wenn, dann sind die Nebensätze meistens angehängt, stehen also am Ende des Satzes. Ihr könnt das ja auch mal beobachten. Da werdet ihr feststellen, dass es nur wenige Nebensatz-Konstruktionen gibt, mit denen wir Sätze anfangen. „Weil“-Nebensätze gehören jedenfalls nicht dazu.

Ausnahme: Wir antworten auf eine Frage, der Nebensatz steht also für sich alleine.

Warum sprichst du so komisch?
Weil ich eine Romanfigur bin.
Nun mit Kontext

Noch unrealistischer wirkt der Dialog, wenn man dann noch den Kontext kennt: Ein Kumpel ist gerade metertief gestürzt und liegt schwer verletzt auf dem Boden. Da sagt unsere Figur (diesmal der vollständige Dialog):

Alles okay, Marc? Weil wir unsere Handys nicht bei uns haben, gehen Danny und ich zum Auto und rufen von da aus die 911 an. Blake kommt zu dir, und David erkundet das Haus, schaut, ob er irgendetwas hilfreiches findet, sowas wie einen Erste Hilfe Koffer.
Sei nicht nur der Regisseur, sondern gleichzeitig auch der Schauspieler für jede einzelne deine Figuren.
Wenn er nicht gerade Tommy Lee Jones in Men in Black ist (und das ist er nicht), nehme ich ihm diesen Dialog nicht ab. Er ist ein stinknormaler Typ, und urplötzlich schwebt sein Kumpel vor seinen Augen in Lebensgefahr. Da erwarte ich eine entsprechende Reaktion. Panik! Hektik! Wenig Atem, kurze Sätz.! Fühle die Situation, lass deine Figuren die Situationen fühlen, und dann lass sie dementsprechend handeln und reden. Sei nicht nur der Regisseur, sondern gleichzeitig auch der Schauspieler für jede einzelne deine Figuren.

 

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Neues aus meiner Welt #1

treehouseHallo, ihr Lieben!
In letzter Zeit habe ich mich im Internet ein wenig rar gemacht, was allerdings nicht bedeuten soll, ich hätte der Welt des kreativen Schreibens den Rücken gekehrt. Oh nein, ganz im Gegenteil, in meinem Kopf werkelt, rattert und zischt es weiterhin, und die Funken sprühen ohne Pause.

 

Doch davon sollt ihr natürlich auch etwas haben. Ich habe mir daher zum Ziel gesetzt, meinen Social-Media-Alltag ein wenig besser zu strukturieren. Beispielsweise werde ich ab sofort jeden Montag ein Update zu mir und meiner geliebten Schreiberei bringen. Und wisst ihr was? Ich fange hier und jetzt damit an.

Neues aus meiner Welt

Neues Projekt

Ich arbeite momentan an mehreren kleinen Projekten, aber dazu komme ich ein anderes Mal. Jetzt soll es erstmal um mein neues Großprojekt gehen. Es ist bereits mehr oder weniger ein offenes Geheimnis, doch ich verkünde es hiermit noch einmal offiziell:

*Trommelwirbel*

*Fanfaren- und Trompetengeräusche*

Ich arbeite an einem neuen Buch – war doch auch eigentlich klar! Arbeitstitel: Das Feuer in mir. Trotz der Ähnlichkeit im Namen sei so viel verraten: Dies wird keine direkte Fortsetzung von meinem Buch „Der Schatten in mir“ sein. Trotzdem hängen die beiden Bücher natürlich miteinander zusammen. Inwiefern? Darüber werde ich in den nächsten Wochen berichten, also bleibt geduldig 🙂

Nächtliche Schreibwerkstatt

Seit Kurzem bin ich Admin in besagter Facebook-Gruppe. Dort kann über alles gesprochen werden, was mit dem Schreiben zusammenhängt. Auch Anfänger und Gelegenheits-Autoren sind herzlich eingeladen und dürfen Fragen stellen oder einfach nur mitlesen. Die Atmosphäre ist sehr angenehm (zur Not sorge ich dafür^^).

Besonders beliebt sind unsere Schreibabende, die jeweils donnerstags und samstags stattfinden. Dabei quatschen die Leute miteinander, während sie an ihren Werken schreiben. So motivieren sie sich gegenseitig, und das Schreiben macht gleich viel mehr Spaß 🙂 Schaut doch mal vorbei!

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Gute Rezi, schlechte Rezi – über die Gefühlswelt eines Autors

AchterbahnMein Buch ist mittlerweile kaum 2 Monate auf dem Markt, und schon hat mich die knallharte Realität des Autorendaseins mehrfach kräftig durchgeschüttelt. Es ist wie eine Achterbahnfahrt: Schnell, voller Kurven, und du donnerst schlagartig steil bergauf und genauso schnell wieder bergab. Uhrzeit und Mageninhalt spielen dabei keine Rolle.

 

Die Achterbahnfahrt geht los
Als Autor gibt man – wie jeder Künstler – einen Teil seines Inneren preis. Man erschafft etwas aus seinen Gedanken, um es dann der Öffentlichkeit zu präsentieren. Man stellt sich in den Mittelpunkt und macht sich dadurch angreifbar. Ein kleiner Seelenstriptease. Und da kommen sie auch schon von überall her: Menschen und ihre Meinungen. Sie urteilen nun über dein Werk, mal ehrlich, mal weniger ehrlich, mal rücksichtsvoll, mal knallhart.
Ich habe mittlerweile viel Feedback erhalten. Der große Teil war positiv, daher befinde ich mich überhaupt noch in einem mental guten Zustand. Eine gute Rezension kann einen über den Wolken schweben lassen. Sie ist einer der Gründe, warum Autoren schreiben. Sie zeigen einem, wofür sich all die Mühe und all die Tränen gelohnt haben, sie ist eine ganz besondere Form der Anerkennung. Doch manchmal kommt auch weniger gutes, gar mittelmäßiges, gar schlechtes Feedback, und damit muss man umgehen können. Selbst nach 20 guten Rezensionen kann eine einzige schlechte euch im Affenzahn zurück in Richtung Boden der Tatsachen schleudern.
Ich möchte keinen Autorenneuling verunsichern. Im Gegenteil, dieser Beitrag soll jeden ermutigen. Denn falls ihr tatsächlich eine schlechte Rezension bekommt, solltet ihr euch bewusst machen, dass dies noch lange nicht bedeutet, dass euer Werk schlecht ist. Es gibt wahnsinnig viele Gründe, warum jemand eine schlechte Rezension verteilt.
 
Sie ist wirklich sehr heftig
Im Folgenden präsentiere ich euch zwei „Erkenntnisse“, die ich gemacht habe, auch wenn sie im Grunde keine Erkenntnisse sind. Im Gegenteil, ihr werdet sagen: Das weiß doch jeder. Doch wenn ich eines seit meiner Veröffentlichung gelernt habe, dann dass ich die fundamentale Bedeutung dieser Erkenntnisse und ihre Tragweite deutlich unterschätzt habe. Und nicht nur ich – auch viele meiner Autorenkollegen haben dies auf schmerzhafte Weise lernen müssen.
 
1) Geschmäcker sind verschieden!
Ja, dies ist eine „Erkenntnis“ von mir. Egal, wie viele Leute etwas gut finden – es wird immer jemanden geben, der es kritisiert. Das kann jeden Teilaspekt des Buches betreffen, also selbst den einen, bei dem ihr dachtet, er sei euch am allerbesten gelungen. Ich habe bei meinem Buch sehr viel Wert auf eine tiefgründige Ausarbeitung meiner Charaktere gelegt, und viele Leser haben genau das gelobt. Und dann hat plötzlich jemand wie aus heiterem Himmel zu mir gesagt: „Ich finde deine Charaktere zu flach.“ Das hat mich echt aus den Socken gehauen! Über die Borderline-Krankheit meiner lieben Salya habe ich auch viel Gutes gehört, z.B. Aussagen wie „erschreckend realistisch“. Und dann sagte mir jemand: „Hättest du nicht erwähnt, dass sie Borderline hat, wäre mir das gar nicht aufgefallen.“ So stark können die Meinungen auseinandergehen. Oft finden Leute genau das schlecht, was andere als die Krönung des Buches ansehen. Man kann es ganz einfach nicht jedem recht machen.
Erwartet erst gar nicht, dass euer Buch nur gute Bewertungen kriegen wird. Eine schlechte Bewertung wird zwangsläufig kommen, sei es die allererste oder erst die dreißigste. Macht euch darauf gefasst! Selbst Harry Potter hat miserable Bewertungen. (Beispiel: 1 Stern – It’s full of predictable devices, and at heart is your basic British boarding school story. There is nothing here we haven’t seen before). Also lasst sie euch nicht aus dem Konzept bringen. Vielleicht werden die nächsten zehn Rezensionen dafür richtig gut?
 
2) Jeder Mensch hat eine andere Betrachtungsweise.
Das bedeutet, dass jeder seine Umwelt nach unterschiedlichen Maßstäben beurteilt
(Siehe auch diesen hervorragenden Artikel). Dies gilt auch für Geschichten. Jeder hält andere Aspekte für wichtig. Daher unterscheiden sich die Rezensionen so stark voneinander, und selbst Rezension #20 lobt oder kritisiert ganz andere Faktoren als die 19 davor. Oft findet jener Rezensent einen Aspekt blöd, den andere nicht einmal für erwähnenswert halten.
 
All das zeigt übrigens, warum gilt: Je mehr Testleser, desto besser.
 
Und sie nimmt viele unerwartete Kurven
Viel intensives Feedback erhält man auch von Leuten, die das Buch noch gar nicht gelesen haben. Dies kann sehr positiv sein („Respekt, du hast dein eigenes Buch geschrieben!“), aber auch sehr negativ („Och wie süß, du hast ein Buch geschrieben und denkst jetzt, du seist Autor!“).
Besonders gemein ist auch negatives Feedback, dass der Autor für ungerechtfertigt hält (ob er damit recht hat, sei dahingestellt). Beispiele: Der Leser kritisiert etwas, allerdings bloß, weil er es falsch verstanden hat (was alle anderen kapiert haben). Oder er stützt seine gesamte Kritik auf einen popeligen Aspekt, der 0,01% des Buches ausmacht. Auch ein Klassiker: „Das Buch war nicht so, wie ich es erwartet hatte.“ – Zitat eines Lesers, der vorher nicht einmal den Klappentext gelesen hat.
Denk bloß immer daran: Nicht rechtfertigen! 🙂 Im Laufe der Zeit wird euch dies auch immer besser gelingen. Man lernt nämlich, mit den Höhen und Tiefen umzugehen – wenn auch auf eine sehr harte Tour.

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Ist das jetzt eine Schreibblockade?

blockade2Die Schreibblockade: Das Monster, das sich genüsslich an deiner Inspiration labt, die sie dir aus der Seele gerissen hat. Manch ein Autor meint, die goldene Lösung dagegen gefunden zu haben, andere streiten die Existenz des Monsters einfach ab. Früher oder später saß aber sicher jeder Autor schon einmal vor einem leeren Blatt, sei es für einen Tag oder für mehrere Monate.

 

Nun gibt es viele Erklärungen für eine potentielle Blockade und noch viel mehr Lösungen. Warum ist das so? Zunächst natürlich, weil jeder Mensch verschieden ist. Allerdings gibt es auch ein fundamentales Problem, das ich hier ansprechen möchte: Nicht jeder versteht unter einer Blockade dasselbe. Verschiedene Probleme, die beim Schreiben auftreten, werden häufig einfach als Schreibblockade verdonnert, ohne zu hinterfragen, was genau dieses Problem eigentlich ausmacht. Dementsprechend vielfältig sind auch die Lösungsvorschläge, die oftmals gar nicht zum jeweiligen Problem eines Autoren passen.
Während ich so die Schreibblogs durchforste, entdecke ich – mit fließenden Übergängen – fünf grundsätzliche Arten von Autorenproblemen, die allesamt gerne als Blockade bezeichnet werden:

  1. „Mir fällt nix ein.“
    Der Klassiker. Das typische Bild eines Künstlers, der vergeblich auf eine göttliche Inspiration wartet.
  2. Ich weiß nicht, wie ich das schreiben soll.“
    (1) handelt davon, WAS man schreiben soll, bei (2) weiß man es, findet aber keine Lösung für das WIE. Trotzdem finde ich beide Punkte sehr ähnlich: Man findet einfach keine Ideen, sei es zum Plot (1) oder zu den Worten (2).
    Wichtig: Viele Autoren behaupten, dass (1+2) keine Blockade seien, sondern bloß das Resultat einer zu hohen Anspruchshaltung. Ob das stimmt oder nicht, will ich so pauschal nicht beurteilen, da die Leistung eines Gehirns von unzähligen individuellen Faktoren abhängt.
  3. „Alles mies, was ich schreibe.“
    Im Gegensatz zu (2) schreibt man in diesem Fall wenigstens was nieder, allerdings stinkt jedes Wort zum Himmel – jedenfalls denkt man das. Auch hier ist der Aspekt der Anspruchshaltung zu berücksichtigen.
  4. „Ich kriege meinen Hintern nicht hoch.“
    Dies ist in meinen Augen keine Blockade, sondern ein Motivationsproblem. Denn hat man erstmal angefangen zu schreiben, flutscht es meistens wie von selbst. Hier helfen Tipps à la: Richte dir feste Schreibzeiten ein.
  5. „Ups, schon wieder auf Facebook.“
    Hierbei geht es um Prokrastination und somit um Konzentrationsschwäche. Dies kann aus (1-3) resultieren, muss es aber nicht. Auch dies ist – genau wie 4 – gesondert zu betrachten. Wer daran leidet, sollte unbedingt diesen Artikel lesen: http://waitbutwhy.com/2013/10/why-procrastinators-procrastinate.html

Fazit:
(4+5) sind für mich keine Schreibblockade, höchstens die Folgen von einer. Es sind schlichtweg Probleme anderer Art.
Ob man mit seinem Geschriebenen zufrieden ist, ist abhängig von der aktuellen Leistungsfähigkeit (Tagesform) und der Anspruchshaltung (die ebenfalls tagesabhängig ist!). Ist die Anspruchshaltung auf BILD-Niveau und man bringt trotzdem nichts zu Papier, würde ich dies als Schreibblockade bezeichnen. Manchmal ist eine Gehirnhälfte einfach überlastet. Einige mögen mir da widersprechen, aber das ist im Prinzip auch egal. Wichtig ist nur: Identifiziere dein Problem! Ist es die Kreativität oder doch nur die eigene Anspruchshaltung? Ist es die Konzentration oder bloß die Motivation? Finde es heraus, denn erst dann kannst du effektiv nach Lösungen suchen.
PS: Lösungsvorschläge folgen in separaten Artikeln 🙂

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Schreibratgeber – Nützlich oder nutzlos?

RatgeberViele Autoren wettern gegen Schreibratgeber. Manche vergleichen sie mit Schulbüchern für Kinder, andere mit Werken Satans. Wieder andere haben noch nie auch nur daran gedacht, jemals einen vor die Nase zu nehmen.

 

 

Die Argumente gegen Schreibratgeber sind vielfältig:

  1. Es gibt beim Schreiben keine Regeln
  2. Ich will mir nichts vorschreiben lassen
  3. Ratgeber verunsichern nur
  4. Ich will meine Fehler selbst machen und daraus lernen
  5. In diesen Büchern steht eh nix Neues drin
Schreibratgeber sind voller Vorschläge – nicht voller Regeln
Zu (1): Dies ist richtig, und ein guter Ratgeber würde das Wort ‚Regeln‘ nicht benutzen. Im Englischen spricht man gerne von ‚tools‘, und daran sollte man sich auch orientieren. Es sind Vorschläge/Hilfsmittel – immerhin heißt es Ratgeber und nicht Regelwerk. Und somit schreiben sie einem auch nichts vor (2).

Ja, Ratgeber können einen schnell verunsichern (3), immerhin findet man Tipps, die man schon im ersten Kapitel 97-mal missachtet hat. Aber bedenke: Ob und wie man diese Ratschläge umsetzt, ist jedem selbst überlassen. Mach dir deine eigenen Gedanken darüber! Nimm dir Zeit und schau dir an, wie andere Autoren einen Ratschlag umsetzen. Und dann überleg dir, wie du als Leser das am liebsten präsentiert bekommen hättest.

Zu (4): Dies ist eine super Einstellung, doch ich fürchte, der Lernprozess geht dann nur sehr langsam vonstatten. Wann bemerkt man denn seine eigenen ‚Fehler‘? Oftmals erst, wenn andere einen darauf aufmerksam machen, z.B. Testleser oder der Lektor. Aber dies ist mit Nachteilen verbunden. Testleser haben nicht denselben Blick wie Lektoren, und Lektoren gehen den Text erst durch, wenn er bereits fertig ist. Und dann kriegt der Autor gleich eine ganze Flut an Verbesserungsvorschlägen, und es wird schwer, alle zu verarbeiten.

Hin und wieder in einem Ratgeber zu schmökern, hilft auch gegen den Tunnelblick, den man bei seinem Buch entwickelt
Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe am schnellsten und effektivsten gelernt, wenn ich viel geschrieben und hin und wieder – z.B. wenn ich eine Pause brauchte – einen Schreibratgeber zur Hand genommen habe. Die Kombination hat’s gemacht.

Zu (5): Zunächst kann es sehr nützlich sein, Themen aufzufrischen oder sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dafür sind Schreibratgeber gut geeignet. Doch auch wenn 99% eines Buches für dich nutzlos sind – vielleicht ist es nur dieser eine Abschnitt oder auch nur dieser eine Satz, der in dir einen Aha-Moment auslöst. Wenn das der Fall ist, dann hat sich das Buch gelohnt, selbst wenn es das Hundertfache gekostet hätte. Schließlich hilft dir dieser Moment ein Leben lang.

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