Christian Milkus

Autor für Dark Fantasy

Schlagwort: Schreibtipps

Warum uns das Schreiben so schwerfällt


Quelle: Pixabay

Wer auf Social Media mit anderen AutorInnen vernetzt ist, liest häufig Aussagen wie diese:
»Ich kann mich einfach nicht zum Schreiben aufraffen.«
»Seit Wochen nichts zu Papier bekommen :(«
»Leute, es geht aufwärts! Heute 200 Wörter geschrieben!«

Klingen diese Aussagen für dich, als wäre das Schreiben eine spaßige Angelegenheit? Wenn wir uns zum Schreiben ›überwinden‹ müssen und jede gelungene Session feiern, als wären wir einen Marathon gelaufen? Für mich nicht. Vielmehr wirkt es nach harter Arbeit, zu der wir uns zwingen müssen, genau wie zu unserem Brotjob oder zu lästigen Aufgaben im Haushalt. Doch klingt das nicht widersprüchlich? Wieso brauchen wir so viel Überwindung und Disziplin, wenn es doch – nach der Auffassung der meisten von uns – unser Hobby, unsere Leidenschaft, unser Zufluchtsort ist? Sollte es nicht so spaßig oder so befreiend sein, dass wir es täglich nicht erwarten können, endlich unsere Geschichten zu Papier zu bringen?
Offenbar nicht. Stattdessen gibt es unzählige Blogartikel über Taktiken, wie wir unseren inneren Widerstand überlisten und unseren Arsch an den Schreibtisch kriegen. Im besten Fall auch noch regelmäßig.
Woran liegt das?
Achtung: Dies ist ein ungeschönter (!) Einblick ins #Autorenleben

Schreiben ist anstregend!

Jeder einzelne Satz, den du schreibst, ist mentale Anstrengung. Du musst dauerhaft hochkonzentriert sein, musst unzählige Faktoren, die deine Wortwahl beeinflussen, im Hinterkopf behalten – sei es der Plot, die Figur, das Setting, der Stil, die Grammatik und so weiter. Das ist anspruchsvolle geistige Arbeit und schlaucht genauso wie physische Arbeit. Da ist es ganz natürlich, dass wir uns dagegen sträuben. Oft sind wir einfach erschöpft oder haben ›wichtigere‹ Ding im Kopf, für die unser Unterbewusstsein gerne bevorzugt Energie aufbringen würde. Das wiederum verwehrt uns die nötige Konzentration, die wir beim Schreiben benötigen.

Lauter Rückschläge

Es ist niederschmetternd, wenn wir einen Text schreiben und ihn für schlecht halten. Und das passiert leider nicht selten, schließlich ist der erste Entwurf nie perfekt, außerdem betrachten wir unsere eigenen Texte immer besonders kritisch. Und das macht die explosive Mischung aus, die uns gerne mal zur Verzweiflung treibt. Auch wenn wir den Text danach zehnmal überarbeiten – hängen bleibt, dass das Schreiben in der Rohfassung mit Rückschlägen und Selbstzweifeln behaftet ist. Das ist psychisch belastend, weshalb ein Teil in uns das gerne vermeiden möchte.
Tipp: Aus diesem Grund ist es übrigens so beliebt, sich vor jeder Session ein Ziel zu setzen: x Wörter zu schreiben oder y Stunden zu schreiben. Denn jedes Mal, wenn wir ein Ziel erreichen, ist das ein Triumph für uns, ein Erfolgserlebnis, das uns motiviert. Diese Art von Belohnung sollten wir uns unbedingt gönnen.

Kein Ende in Sicht

Auch hier gibt es wenig schönzureden. Ein Roman ist eine Menge Arbeit, die sich über Jahre ziehen kann. Zwischendurch wirst du mehrfach das Gefühl haben, nicht weiterzukommen, weil dir nichts einfällt, du alles infrage stellst oder schon wieder etwas umwerfen musst. Das kann irgendwann frustrierend sein, du willst doch einfach nur fertig werden. Daher gilt auch hier der Tipp von eben, sich das große Ziel in viele kleine Ziele aufzuteilen, sodass du Schritt für Schritt vorankommst und dabei immer wieder Erfolgserlebnisse sammelst.

100% Spaß gibt es nicht

Wenn ich mit ›Schreiben‹ die Entwicklung eines Romans meine, kann man es in verschiedene Phasen einteilen:
– Plotten
– Figurenplanung
– world building
– Recherche
– Rohfassung schreiben
– Überarbeiten
etc.
Die einzelnen Phasen unterscheiden sich untereinander deutlich. Da ist es ganz normal, dass uns die eine mehr Spaß macht oder besser liegt als die andere. Ich zum Beispiel liebe Plotten und world building. Aber die Überarbeitung? Die ist für mich kein Vergnügen, sondern ein notwendiges Übel – zumindest in großen Teilen. Und auch du wirst manch eine Phase ätzend finden. Sie gehören aber leider dazu, ein Hobby kann nicht immer zu 100% Spaß machen. Du kannst sie dir aber auch spaßiger machen, zum Beispiel indem du mit anderen zusammen schreibst.

»Chris, das klingt nicht sehr aufmunternd!«

Sorry für die unmotivierenden Worte! Ja, der Prozess hinter der Entstehung einer Geschichte ist hart, belastend und zeitaufwändig. Doch nur weil du Probleme hast, dich aufzuraffen, die Wörter nur zäh aus deinem Füller fließen und du die ersten Textentwürfe für die Tonne findest, heißt das nicht, dass du ›nicht fürs Schreiben gemacht‹ bist. Es heißt nicht, dass du ein schlechter Autor oder deine Story nicht zu gebrauchen ist. Du bist weder dumm noch faul. Du machst genau dieselben Probleme durch wie alle anderen Autoren, egal wie sehr manche das harte Autorenleben über Social Media beschönigen. Dass du überhaupt schreibst, zeigt doch, dass du es im Herzen gerne tust, daher solltest du dir nichts einreden lassen, erst recht nicht von dir selbst. Lass dich nicht entmutigen lassen und schreibe immer weiter, so schwer es dir manchmal auch fällt.
Jun Hur hat das in ihrem Tweet übrigens wunderbar zusammengefasst:


Grundsätzlich solltest du immer das große Ziel im Auge behalten: dein eigener Roman. Es gibt nichts Schöneres, als sein fertiggestelltes Werk in den Händen zu halten. Spätestens dann weißt du: Die ganze Arbeit hat sich gelohnt.

Ist das jetzt eine Schreibblockade?

blockade2Die Schreibblockade: Das Monster, das sich genüsslich an deiner Inspiration labt, die sie dir aus der Seele gerissen hat. Manch ein Autor meint, die goldene Lösung dagegen gefunden zu haben, andere streiten die Existenz des Monsters einfach ab. Früher oder später saß aber sicher jeder Autor schon einmal vor einem leeren Blatt, sei es für einen Tag oder für mehrere Monate.

 

Nun gibt es viele Erklärungen für eine potentielle Blockade und noch viel mehr Lösungen. Warum ist das so? Zunächst natürlich, weil jeder Mensch verschieden ist. Allerdings gibt es auch ein fundamentales Problem, das ich hier ansprechen möchte: Nicht jeder versteht unter einer Blockade dasselbe. Verschiedene Probleme, die beim Schreiben auftreten, werden häufig einfach als Schreibblockade verdonnert, ohne zu hinterfragen, was genau dieses Problem eigentlich ausmacht. Dementsprechend vielfältig sind auch die Lösungsvorschläge, die oftmals gar nicht zum jeweiligen Problem eines Autoren passen.
Während ich so die Schreibblogs durchforste, entdecke ich – mit fließenden Übergängen – fünf grundsätzliche Arten von Autorenproblemen, die allesamt gerne als Blockade bezeichnet werden:

  1. „Mir fällt nix ein.“
    Der Klassiker. Das typische Bild eines Künstlers, der vergeblich auf eine göttliche Inspiration wartet.
  2. Ich weiß nicht, wie ich das schreiben soll.“
    (1) handelt davon, WAS man schreiben soll, bei (2) weiß man es, findet aber keine Lösung für das WIE. Trotzdem finde ich beide Punkte sehr ähnlich: Man findet einfach keine Ideen, sei es zum Plot (1) oder zu den Worten (2).
    Wichtig: Viele Autoren behaupten, dass (1+2) keine Blockade seien, sondern bloß das Resultat einer zu hohen Anspruchshaltung. Ob das stimmt oder nicht, will ich so pauschal nicht beurteilen, da die Leistung eines Gehirns von unzähligen individuellen Faktoren abhängt.
  3. „Alles mies, was ich schreibe.“
    Im Gegensatz zu (2) schreibt man in diesem Fall wenigstens was nieder, allerdings stinkt jedes Wort zum Himmel – jedenfalls denkt man das. Auch hier ist der Aspekt der Anspruchshaltung zu berücksichtigen.
  4. „Ich kriege meinen Hintern nicht hoch.“
    Dies ist in meinen Augen keine Blockade, sondern ein Motivationsproblem. Denn hat man erstmal angefangen zu schreiben, flutscht es meistens wie von selbst. Hier helfen Tipps à la: Richte dir feste Schreibzeiten ein.
  5. „Ups, schon wieder auf Facebook.“
    Hierbei geht es um Prokrastination und somit um Konzentrationsschwäche. Dies kann aus (1-3) resultieren, muss es aber nicht. Auch dies ist – genau wie 4 – gesondert zu betrachten. Wer daran leidet, sollte unbedingt diesen Artikel lesen: http://waitbutwhy.com/2013/10/why-procrastinators-procrastinate.html

Fazit:
(4+5) sind für mich keine Schreibblockade, höchstens die Folgen von einer. Es sind schlichtweg Probleme anderer Art.
Ob man mit seinem Geschriebenen zufrieden ist, ist abhängig von der aktuellen Leistungsfähigkeit (Tagesform) und der Anspruchshaltung (die ebenfalls tagesabhängig ist!). Ist die Anspruchshaltung auf BILD-Niveau und man bringt trotzdem nichts zu Papier, würde ich dies als Schreibblockade bezeichnen. Manchmal ist eine Gehirnhälfte einfach überlastet. Einige mögen mir da widersprechen, aber das ist im Prinzip auch egal. Wichtig ist nur: Identifiziere dein Problem! Ist es die Kreativität oder doch nur die eigene Anspruchshaltung? Ist es die Konzentration oder bloß die Motivation? Finde es heraus, denn erst dann kannst du effektiv nach Lösungen suchen.
PS: Lösungsvorschläge folgen in separaten Artikeln 🙂

Schreibratgeber – Nützlich oder nutzlos?

RatgeberViele Autoren wettern gegen Schreibratgeber. Manche vergleichen sie mit Schulbüchern für Kinder, andere mit Werken Satans. Wieder andere haben noch nie auch nur daran gedacht, jemals einen vor die Nase zu nehmen.

 

 

Die Argumente gegen Schreibratgeber sind vielfältig:

  1. Es gibt beim Schreiben keine Regeln
  2. Ich will mir nichts vorschreiben lassen
  3. Ratgeber verunsichern nur
  4. Ich will meine Fehler selbst machen und daraus lernen
  5. In diesen Büchern steht eh nix Neues drin
Schreibratgeber sind voller Vorschläge – nicht voller Regeln
Zu (1): Dies ist richtig, und ein guter Ratgeber würde das Wort ‘Regeln’ nicht benutzen. Im Englischen spricht man gerne von ‘tools’, und daran sollte man sich auch orientieren. Es sind Vorschläge/Hilfsmittel – immerhin heißt es Ratgeber und nicht Regelwerk. Und somit schreiben sie einem auch nichts vor (2).

Ja, Ratgeber können einen schnell verunsichern (3), immerhin findet man Tipps, die man schon im ersten Kapitel 97-mal missachtet hat. Aber bedenke: Ob und wie man diese Ratschläge umsetzt, ist jedem selbst überlassen. Mach dir deine eigenen Gedanken darüber! Nimm dir Zeit und schau dir an, wie andere Autoren einen Ratschlag umsetzen. Und dann überleg dir, wie du als Leser das am liebsten präsentiert bekommen hättest.

Zu (4): Dies ist eine super Einstellung, doch ich fürchte, der Lernprozess geht dann nur sehr langsam vonstatten. Wann bemerkt man denn seine eigenen ‘Fehler’? Oftmals erst, wenn andere einen darauf aufmerksam machen, z.B. Testleser oder der Lektor. Aber dies ist mit Nachteilen verbunden. Testleser haben nicht denselben Blick wie Lektoren, und Lektoren gehen den Text erst durch, wenn er bereits fertig ist. Und dann kriegt der Autor gleich eine ganze Flut an Verbesserungsvorschlägen, und es wird schwer, alle zu verarbeiten.

Hin und wieder in einem Ratgeber zu schmökern, hilft auch gegen den Tunnelblick, den man bei seinem Buch entwickelt
Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe am schnellsten und effektivsten gelernt, wenn ich viel geschrieben und hin und wieder – z.B. wenn ich eine Pause brauchte – einen Schreibratgeber zur Hand genommen habe. Die Kombination hat’s gemacht.

Zu (5): Zunächst kann es sehr nützlich sein, Themen aufzufrischen oder sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dafür sind Schreibratgeber gut geeignet. Doch auch wenn 99% eines Buches für dich nutzlos sind – vielleicht ist es nur dieser eine Abschnitt oder auch nur dieser eine Satz, der in dir einen Aha-Moment auslöst. Wenn das der Fall ist, dann hat sich das Buch gelohnt, selbst wenn es das Hundertfache gekostet hätte. Schließlich hilft dir dieser Moment ein Leben lang.

Neues aus der Schreibwerkstatt #1

PenNeulich wurde in der Facebook-Gruppe Nächtliche Schreibwerkstatt folgender Abschnitt von Denise Andersen diskutiert:

Ob ich mir wohl alle Knochen brechen würde, wenn ich hier hinunter fiel? Die Vorstellung, plötzlich unten am Boden zu liegen, mir alles gebrochen zu haben, überall Blut vorzufinden, war schrecklich.

Die Frage war: Ist diese Konstruktion „Die Vorstellung … ist schrecklich“ überhaupt nötig? Braucht man das Wort „Vorstellung“, wenn klar ist, dass es sich hierbei nur um einen Gedanken handelt? Und braucht man das Wort „schrecklich“, wenn der Gedanke doch für jeden Leser offensichtlich schrecklich ist?

Sie hat es nun ohne die Konstruktion geschrieben, das sah dann folgendermaßen aus:

Ich könnte plötzlich unten auf der Erde liegen und mir alles gebrochen haben. Ich würde hilflos im eigenen Blut liegen.

Einwand: Zu viele Hilfsverben! Klingt vernünftig und könnte man z.B. so umgehen:

Ich könnte plötzlich hilflos im eigenen Blut liegen und mir alles gebrochen haben.

Das ist natürlich schon arg gekürzt und nicht jedermanns Geschmack. Eine weitere Option – nun wieder mit der Konstruktion – wäre:

Welch schreckliche Vorstellung, sich alle Knochen zu brechen und hilflos im eigenen Blut zu liegen!
Einflussfaktoren

Nun haben wir erstmal 4 Versionen, bloß welche davon ist die beste? Die Antwort darauf ist ein eindeutiges: Kommt drauf an! Mir sind mehrere Faktoren eingefallen, die dabei eine Rolle spielen könnten:

  1. Kontext: Auf der Flucht am Rande einer Schlucht ist wahrlich ein anderes Setting als Tagträumen, während man aus einem geschlossenen Fenster guckt.
  2. Aus dem Kontext ergibt sich die Atmosphäre. Ist sie angespannt oder hektisch? Ist sie romantisch? (Wohl eher nicht) Ängstlich? Gefühlvoll?
  3. Erzählrhythmus: Dieser kann natürlich eng mit Kontext und Atmosphäre zusammenhängen, muss er aber nicht. Manchmal hält ein Autor kurze, handlungsstarke Sätze für angemessen, manchmal ausschweifende Sätze im Erzählstil, ausgeschmückt mit vielen Nebensätzen.
  4. Es kommt nicht nur auf den Inhalt an, sondern auch auf die Autorin und ihren Stil. Sätze können sich unauthentisch anfühlen, wenn sie sich stilistisch vom Rest unterscheiden. Wie ein ungebetener Fremdkörper. Aber Achtung: Sie können natürlich auch für gelungene Abwechslung sorgen.
Und nun?

Auch jetzt kann ich nicht sagen, welche Version die Beste ist. Das ist Geschmackssache, und ein Richtig oder ein Falsch gibt es sowieso nicht. Damit gilt letztendlich Punkt 5.

  1. Nach dem Gehör. Du kannst so theoretisch wie möglich an die Sache herangehen, wenn es sich schlecht anhört, ist es schlecht. Lies den ganzen Absatz und geh nach deinem Bauchgefühl. Oder – was meistens die bessere Wahl ist – lass den Abschnitt von anderen lesen und vertraue auf deren Bauchgefühl (oder auf deren Bauchschmerzen).
Viel Schreiben ist das A und O. Aber ein wenig Theorie schadet nie.
Bist du letztendlich nach Gefühl gegangen, kannst du dich danach fragen, warum es ausgerechnet diese Variante geworden ist. Schau dir die 4 Aspekte an und vielleicht erkennst du einen Zusammenhang. Wenn ja, hast du soeben einen wichtigen Lernfortschritt gemacht. Meiner Meinung nach ist dies nämlich der effektivste Weg, sein Schreiben zu verbessern:
Üben, üben, üben – mit einer Prise Theorie von Zeit zu Zeit.

 

Der Infodump – auf den Müll damit!

infodumpJeder Autor produziert Müll. Besonders schlimm ist dieser stinkende Müllberg namens Infodump. Ich behaupte, dass ihn 90% aller Anfänger in ihren Text einbauen, doch auch Fortgeschrittene sind oftmals noch große Schmutzfinken.

 

 

Was ist ein Infodump?

Wie der Name schon sagt: Hier werden bloß Informationen angesammelt, die eigentlich niemand braucht. Eine Aufzählung von substanzlosen Behauptungen. Sie lesen sich wie ein Wikipedia-Artikel. Man nehme dieses Beispiel:

Annemarie wusste genau, was sie machen wollte: Sie wollte ihr Studium der Politologie mit gutem Abschluss absolvieren, danach auf Weltreise gehen. Endlich mal raus aus Göttingen! Sie wusste nur noch nicht, wie sie das mit ihren beiden Kindern unter einen Hut bringen sollte. Die fünfjährige Tina hatte Asthma und war sehr pflegebedürftig, weshalb Annemarie oft nicht so viel lernen konnte, wie sie es für ihr Studium eigentlich müsste. Und der kleine Hans war erst wenige Monate alt, und … bla bla bla bla

Ein Infodump dieser Art taucht meistens auf Seite 2 oder im dritten Abschnitt auf. Warum ausgerechnet da? Und warum so konstant an dieser Stelle? Nun, das liegt daran, dass Anfänger meist einem ähnlichen Schema folgen: Jeder weiß, dass man seine Geschichte spannend starten soll, also wird erstmal ein wenig Handlung eingebaut. Dann – wenn der Autor zufrieden mit der Einleitung ist – begeht er den Fehler:

»Oh schreck, jetzt muss ich dem Leser aber erstmal all die Hintergrundinformationen erklären, sonst versteht er meine Geschichte ja nicht.«

Und zack: Infodump-Alarm. Natürlich kann er auch an anderen Stellen eines Buches auftauchen.

Warum stinkt der Infodump so?

Erstens: Hättet ihr diesen Einschub an Informationen gern lesen wollen, wenn er eine eigentlich spannende Handlung rücksichtslos unterbrochen hätte? Zweitens: Könnt ihr euch noch an all die Informationen erinnern? Wie hieß die Tochter gleich?

Wenn man die Figuren nicht kennt, sind bloße Informationen für einen Leser nicht greifbar. Ich hätte auch Frau X und Studium Y schreiben können, das wäre aufs Gleiche hinausgelaufen.

Wie beseitige ich den Müll?

1. Schritt: Filtern! Es geht nicht darum, welche Informationen die Leserin für das gesamte Buch braucht. Es geht darum, welche sie jetzt für diese Szene braucht. Dies ist ein genereller Schreibtipp, aber gerade beim Start-Infodump wird er trotzdem häufig missachtet. Trau dich ruhig! Die Leser sind nicht dumm und brauchen nicht alles zu wissen. Im Gegenteil: Fehlende Informationen können sogar Spannung erzeugen.

Ja, dieser Schritt ist nicht einfach. Deine Leserin muss schon wissen, wo sie sich befindet und was überhaupt passiert. Du kannst nicht alle Informationen streichen. Wie so oft gilt hier: Finde die richtige Balance!

2. Schritt: Die gefilterten Informationen nun nach dem „Show, don’t tell“-Prinzip einbauen. Ganz klassisch.

3. Schritt: Die Infos, die durch das Sieb gefallen sind, verstreust du über den gesamten Text hinweg – immer dort, wo du sie für angebracht hältst. Hans-Peter Roentgen hat dies mit einem Striptease verglichen: Die Hüllen nach und nach fallen lassen statt alle auf einmal.

Ja, auch ich …

Vor einigen Jahren habe ich bei meinem damaligen Text geahnt, dass „irgendwas nicht stimmt“.  Er ging rasant los, wurde aber plötzlich zum Gähnen langweilig. Leider wusste ich nicht mit diesem Gestank umzugehen. Erst als ich zum ersten Mal über den Infodump gelesen habe, wurde mir schlagartig bewusst: In meinem Text hatte sich einer aufgetürmt – und zwar ein fetter.

 

Aufbau einer eigenen Welt

Fantasy-Autoren erschaffen gerne ihre eigenen Welten, in denen sich ihre Figuren dann austoben können. Dies gelingt allerdings nicht über Nacht. Eine Welt muss sorgfältig geplant werden, sonst rennst du schnell gegen eine Wand.

 

 

  • Hier steht plötzlich ein Gebirge, das vorher nicht da war?
  • Für eine Strecke brauchten die Pferde vorhin noch 4 Wochen, plötzlich nur noch eine?
  • Es ist unglaubwürdig, dass dein Volk sich unterdrücken lässt, besitzen die Einwohner doch wahnwitzige magische Fähigkeiten, mit denen sie sogar Sauron bezwingen könnten?
  • Wieso ist eigentlich seit Jahren immer nur Sommer?

Ich könnte noch viel mehr Beispiele aufzählen. Mach dir vorher genug Gedanken, sonst musst du im Nachhinein immer wieder einen Fluss dazu erfinden oder eine Stadt doch direkt ans Meer setzen.

Als Orientierung dienen z.B. diese zwei nützlichen Links:

Ein Wort noch zum Beschreiben deiner Welt in deinem Buch. Erklär nicht zu viel! Die richtige Balance zwischen Erklären und Nicht-Erklären ist entscheidend, sonst ist dein Leser schnell gelangweilt. Du hast dir aber so viele Gedanken gemacht und die Welt total aufregend gestaltet? Trotzdem!

Siehe dazu auch diesen Artikel von Janice Hardy’s Fiction University.

© 2018 Christian Milkus

Theme von Anders NorénHoch ↑

Diese Website speichert vereinzelte Browserdaten. Diese Daten werden verwendet, um eine persönlichere Erfahrung zu ermöglichen und Ihren Aufenthaltsort auf unserer Website gemäß der europäischen Datenschutz-Grundverordnung zu verfolgen. Details finden Sie in der Datenschutzerklärung. Wenn Sie sich gegen ein zukünftiges Tracking entscheiden, wird in Ihrem Browser ein Cookie eingerichtet, der diese Auswahl für ein Jahr speichert. Ich stimme zu - Ich lehne ab
746