Titel, Cover und Klappentext – Ein kleiner Tipp für Autoren

Wie wichtig Titel, Cover und Klappentext sind, brauche ich nicht ausführlich zu erklären. Sie entscheiden maßgeblich darüber, ob die richtige Zielgruppe angesprochen und das Buch gekauft wird. Sie sind also nicht nur wichtig, sondern essentiell.
Und daher umso schwieriger zu gestalten.
Vor allem Klappentexte sind für mich persönlich der HORROR!

Woher also holen wir Autoren uns die nötige Inspiration? Wir orientieren uns an Experten, z. B. an Verlagen, die jahrelange Erfahrung darin haben, zielgruppenorientiert zu arbeiten. Du kannst ihre Cover, Titel und Klappentexte analysieren, daraus die Zielgruppen und die Strategien ableiten, und du bekommst einen guten Eindruck davon, wie die Verlage vorgehen. Doch dies auf dein eigenes Buch anzuwenden, ist nochmal eine ganz andere Liga.

Die Inspiration

Darum möchte ich dir einen kleinen Trick bei übersetzten Büchern vorstellen: Die Arbeit eines deutschen Verlages mit dem Original zu vergleichen.

Anm.: Ich nenne „Cover, Titel und Klappentext“ ab jetzt „Die drei Elemente“ (eines Buches). Das ist kürzer und hört sich irgendwie episch an.

Ein deutscher Verlag bietet seine Bücher einem anderen Markt an als der Verlag des Originals. Er identifiziert möglicherweise eine abweichende Zielgruppe, muss andere Vorlieben, andere Trends berücksichtigen und außerdem zusehen, dass die Aufmachung ins Verlagsprogramm passt.
Beispiel: Im unten verlinkten Beitrag von @whoiskafka geht es um ein Buch (Beautiful Liars), bei dem der deutsche Verlag eine andere Zielgruppe angesprochen hat als der Verlag des Originals. Die drei Elemente wurden dementsprechend konzipiert, und wenn man beide Versionen miteinander vergleicht, denkt man, es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Bücher (was natürlich nicht Sinn der Sache sein sollte).

Einfach mal stöbern!

Geh ruhig auf Amazon oder Thalia und vergleiche z. B. die jeweiligen Klappentexte. Du wirst schnell merken, wie unterschiedlich die Verlage arbeiten. Und du wirst schnell merken, welche Versionen dir besser gefallen. Das schenkt dir wiederum die Inspiration, die du gut gebrauchen kannst.
Übrigens: Im Englischen greifen die Verlage oft auf ganz andere Techniken zurück als hierzulande. Dort haben sich andere Techniken etabliert, vielleicht sind die Verlage auch bloß einfallsreicher. Ich persönlich jedenfalls finde diese sehr erfrischend gegenüber dem langweiligen Einheitsbrei, den manch ein deutscher Verlag bietet. Wirklich inspiriert haben mich daher bislang vor allem die Klappentexte aus den USA.
Beispiele liefere ich jetzt natürlich auch noch. Während das oben angeführte Beispiel eher aufgezeigt, wie die Verlage unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, möchte ich hier auf die unterschiedlichen Aufmachungen hinweisen. Oder anders formuliert: Auf die starken Qualitätsunterschiede! Jedenfalls meiner Meinung nach. Ich finde die beiden Versionen im Englischen weitaus (WEITAUS!) besser als die übersetzten. Aber mach dir lieber dein eigenes Bild davon.
Und sag mir, was du davon hältst 😊

Beispiel #1: Der Herr der Ringe – Die Gefährten von J. R. R. Tolkien

Hier klicken

Beispiel #2: The Name of The Wind von Patrick Rothfuss

Hier klicken

Darauf gebracht haben mich übrigens die Beiträge von zwei bekannten Buchbloggerinnen, @whoiskafka und @Ink_of_Books. In denen diskutieren sie (regen sich auf) über die Unterschiede von englischsprachigen Büchern zu ihren deutschen Übersetzungen in Bezug auf die drei Elemente. Die Beiträge sind nicht nur interessant und unterhaltsam zu lesen, sondern zeigen auch einige interessante Aspekte auf, von denen Autorinnen sich inspirieren lassen können.

Hier sind die beiden Blogartikel, auf die ich mich bezogen habe:

Interessant ist dabei auch das Interview mit Anne Bender vom Carlsen Verlag über die Entstehungsgeschichte eines Covers: http://inkofbooks.com/wie-entsteht-ein-buchcover-interview-mit-dem-carlsen-verlag

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5 Gedanken zu „Titel, Cover und Klappentext – Ein kleiner Tipp für Autoren

  1. Ich frage mich in letzter Zeit allerdings öfter, warum die deutschen Verlage ihre Taktiken nicht justieren, wo doch offenbar immer mehr Leute über unpassende Cover und Klappentexte klagen.
    Ich persönlich gebe zum Beispiel nie etwas auf den Klappentext, da diese meist unpassend sind. Ich lese die ersten paar Seiten und wenn mir der Stil gefällt kommt das Buch mit nach Hause. Der Klappentext taugt für mich nur in sofern herauszufinden, ob das Genre interessant ist für mich – allerdings wird man auch dort gerne mal aufs Glatteis geführt.
    Als Gestalterin bin ich zudem leicht zu beeindrucken mit Covern, was es nicht gerade leichter macht, denn auch hier liegt Cover und Inhalt manchmal so weit voneinander entfernt, dass man sich fragt, ob die Cover-Gestalter das Buch denn überhaupt kennen. Wirklich nicht einfach.

    • Ich glaube, viele Verlage sind in dieser Starre, bloß so weiterzumachen wie bisher und ja nichts riskieren. Jeder „riskante“ Move könnte ihnen finanzielle Schwierigkeiten bereiten.
      Trotzdem kann ich manche Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen. Der Klappentext zu „Name des Windes“ ist ja das perfekte Beispiel. Da wurde sich NULL Mühe gegeben, es wird absolut gar nichts über das Buch erzählt. Da ruht sich der Verlag echt einfach nur auf den Fame des Autoren aus.

  2. Das spricht mir ja so aus der Seele!
    Ich hatte auf meinem Blog eine Serie angefangen namens „Klappentext-Donnerstag“. Also habe ich mich natürlich mal tiefgreifend damit beschäftigt, was auf Bücher so hinten drauf geklatscht wird – besonders auf die US-Übersetzungen. Denn jedes Mal, wenn mir vom (sehr gut englischsprechenden) Umkreis gesagt wurde „Nimm das Buch, der Klappentext ist der Hammer!“ dann stellt sich raus, sie meinten den englischen Klappentext und der deutsche ist… Mist. Ganz besonders schlimm war es bei Brandon Sandersons Mistborn-Reihe. Die Aufdröselung dazu findet sich hier:
    http://www.schreib-dich-thot.de/?p=593

    Übrigens war ich von dem durchgängigen Konzept deutscher Verlage, das gute Original gnadenlos ins Miese zu schreiben, so gefrustet, dass es meine Serie sehr schnell nicht mehr gab. Es wundert mich keinen Deut, dass alle, die der englischen Sprache mächtig sind, lieber die Originale konsumieren – seien es Bücher, Filme, Serien.

    • Hallo Tanja,
      ich frage mich ja, warum das so ist.
      Sind sie faul, weil die Bücher so berühmt sind, dass der Verkauf automatisch läuft?
      Fehlt ihnen die nötige Kreativität?
      Oder haben wir Kritiker einfach eine falsche Vorstellung davon, welche Klappentexte gut auf dem Markt ankommen?

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