Gute Rezi, schlechte Rezi – über die Gefühlswelt eines Autors

AchterbahnMein Buch ist mittlerweile kaum 2 Monate auf dem Markt, und schon hat mich die knallharte Realität des Autorendaseins mehrfach kräftig durchgeschüttelt. Es ist wie eine Achterbahnfahrt: Schnell, voller Kurven, und du donnerst schlagartig steil bergauf und genauso schnell wieder bergab. Uhrzeit und Mageninhalt spielen dabei keine Rolle.

 

Die Achterbahnfahrt geht los
Als Autor gibt man – wie jeder Künstler – einen Teil seines Inneren preis. Man erschafft etwas aus seinen Gedanken, um es dann der Öffentlichkeit zu präsentieren. Man stellt sich in den Mittelpunkt und macht sich dadurch angreifbar. Ein kleiner Seelenstriptease. Und da kommen sie auch schon von überall her: Menschen und ihre Meinungen. Sie urteilen nun über dein Werk, mal ehrlich, mal weniger ehrlich, mal rücksichtsvoll, mal knallhart.
Ich habe mittlerweile viel Feedback erhalten. Der große Teil war positiv, daher befinde ich mich überhaupt noch in einem mental guten Zustand. Eine gute Rezension kann einen über den Wolken schweben lassen. Sie ist einer der Gründe, warum Autoren schreiben. Sie zeigen einem, wofür sich all die Mühe und all die Tränen gelohnt haben, sie ist eine ganz besondere Form der Anerkennung. Doch manchmal kommt auch weniger gutes, gar mittelmäßiges, gar schlechtes Feedback, und damit muss man umgehen können. Selbst nach 20 guten Rezensionen kann eine einzige schlechte euch im Affenzahn zurück in Richtung Boden der Tatsachen schleudern.
Ich möchte keinen Autorenneuling verunsichern. Im Gegenteil, dieser Beitrag soll jeden ermutigen. Denn falls ihr tatsächlich eine schlechte Rezension bekommt, solltet ihr euch bewusst machen, dass dies noch lange nicht bedeutet, dass euer Werk schlecht ist. Es gibt wahnsinnig viele Gründe, warum jemand eine schlechte Rezension verteilt.
 
Sie ist wirklich sehr heftig
Im Folgenden präsentiere ich euch zwei „Erkenntnisse“, die ich gemacht habe, auch wenn sie im Grunde keine Erkenntnisse sind. Im Gegenteil, ihr werdet sagen: Das weiß doch jeder. Doch wenn ich eines seit meiner Veröffentlichung gelernt habe, dann dass ich die fundamentale Bedeutung dieser Erkenntnisse und ihre Tragweite deutlich unterschätzt habe. Und nicht nur ich – auch viele meiner Autorenkollegen haben dies auf schmerzhafte Weise lernen müssen.
 
1) Geschmäcker sind verschieden!
Ja, dies ist eine „Erkenntnis“ von mir. Egal, wie viele Leute etwas gut finden – es wird immer jemanden geben, der es kritisiert. Das kann jeden Teilaspekt des Buches betreffen, also selbst den einen, bei dem ihr dachtet, er sei euch am allerbesten gelungen. Ich habe bei meinem Buch sehr viel Wert auf eine tiefgründige Ausarbeitung meiner Charaktere gelegt, und viele Leser haben genau das gelobt. Und dann hat plötzlich jemand wie aus heiterem Himmel zu mir gesagt: „Ich finde deine Charaktere zu flach.“ Das hat mich echt aus den Socken gehauen! Über die Borderline-Krankheit meiner lieben Salya habe ich auch viel Gutes gehört, z.B. Aussagen wie „erschreckend realistisch“. Und dann sagte mir jemand: „Hättest du nicht erwähnt, dass sie Borderline hat, wäre mir das gar nicht aufgefallen.“ So stark können die Meinungen auseinandergehen. Oft finden Leute genau das schlecht, was andere als die Krönung des Buches ansehen. Man kann es ganz einfach nicht jedem recht machen.
Erwartet erst gar nicht, dass euer Buch nur gute Bewertungen kriegen wird. Eine schlechte Bewertung wird zwangsläufig kommen, sei es die allererste oder erst die dreißigste. Macht euch darauf gefasst! Selbst Harry Potter hat miserable Bewertungen. (Beispiel: 1 Stern – It’s full of predictable devices, and at heart is your basic British boarding school story. There is nothing here we haven’t seen before). Also lasst sie euch nicht aus dem Konzept bringen. Vielleicht werden die nächsten zehn Rezensionen dafür richtig gut?
 
2) Jeder Mensch hat eine andere Betrachtungsweise.
Das bedeutet, dass jeder seine Umwelt nach unterschiedlichen Maßstäben beurteilt
(Siehe auch diesen hervorragenden Artikel). Dies gilt auch für Geschichten. Jeder hält andere Aspekte für wichtig. Daher unterscheiden sich die Rezensionen so stark voneinander, und selbst Rezension #20 lobt oder kritisiert ganz andere Faktoren als die 19 davor. Oft findet jener Rezensent einen Aspekt blöd, den andere nicht einmal für erwähnenswert halten.
 
All das zeigt übrigens, warum gilt: Je mehr Testleser, desto besser.
 
Und sie nimmt viele unerwartete Kurven
Viel intensives Feedback erhält man auch von Leuten, die das Buch noch gar nicht gelesen haben. Dies kann sehr positiv sein („Respekt, du hast dein eigenes Buch geschrieben!“), aber auch sehr negativ („Och wie süß, du hast ein Buch geschrieben und denkst jetzt, du seist Autor!“).
Besonders gemein ist auch negatives Feedback, dass der Autor für ungerechtfertigt hält (ob er damit recht hat, sei dahingestellt). Beispiele: Der Leser kritisiert etwas, allerdings bloß, weil er es falsch verstanden hat (was alle anderen kapiert haben). Oder er stützt seine gesamte Kritik auf einen popeligen Aspekt, der 0,01% des Buches ausmacht. Auch ein Klassiker: „Das Buch war nicht so, wie ich es erwartet hatte.“ – Zitat eines Lesers, der vorher nicht einmal den Klappentext gelesen hat.
Denk bloß immer daran: Nicht rechtfertigen! 🙂 Im Laufe der Zeit wird euch dies auch immer besser gelingen. Man lernt nämlich, mit den Höhen und Tiefen umzugehen – wenn auch auf eine sehr harte Tour.

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Ein Gedanke zu “Gute Rezi, schlechte Rezi – über die Gefühlswelt eines Autors

  1. Hi,
    ich gratuliere! Die Achterbahnfahrt sollte dir aber nichts neues sein! War doch in den alten Broodwar Zeiten ähnlich (bei jedem). Wünsche weiterhin viel Erfolg!

    Gruß
    Michael „TaShadan“

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