Spannung aufbauen – fünf Techniken, um den Leser zu fesseln

suspenseSpannung ist für viele immer noch ein abstrakter Begriff. Sie sehen sie als eine Art Aura an, die jeder spürt, aber niemand so richtig erklären kann. Manche Autoren „haben sie einfach“, andere nicht. Sie glauben, dass Stephen King einfach drauflos schreiben kann und seine Zeilen automatisch alle in den Bann ziehen. Doch auch er wird dir sagen, dass Spannung zu erzeugen ein Handwerk ist, das man mit harter Arbeit erlernen kann – wie fast alles beim Schreiben. Es gibt bestimmte Techniken, auf die man zurückgreifen kann, und einige davon zeige ich in diesem Artikel auf.

Was steht auf dem Spiel?

Carl möchte eine Bank ausrauben. Aber warum will er das tun? Will er sich auf Hawaii ein paar Cocktails in den Kopf knallen oder braucht er das Geld für die Operation seiner todkranken Tochter? Im ersten Fall ist es im Prinzip egal, wie es ausgeht – ein Gefängnisaufenthalt ist zwar doof, aber hat er ja auch nicht anders verdient. Im zweiten Fall jedoch steht weitaus mehr auf dem Spiel. Jede Entscheidung, jede Handlung, jedes Wort kann seiner Tochter das Leben kosten. In welchem Szenario werden die Leser also eher mit Carl mitfiebern?

Um eine schöne Spannungskurve aufzubauen, kann man den Einsatz während der Geschichte erhöhen. Zuerst möchte die Ermittlerin einen Mörder stellen. Dann findet sie heraus, dass der Mörder wieder zuschlagen wird. Nun geht es um die Prävention weiterer Todesopfer, es steht also mehr auf dem Spiel und die Spannung steigt. Der finale Schritt ist dann oft, dass die Ermittlerin persönlich involviert wird, z. B. krallt sich der Mörder einen Familienangehörigen. Jetzt ist die Spannung auf dem Höhepunkt, weil es für sie persönlich um alles oder nichts geht.

Negativbeispiel: So sehr ich die Serie 24 auch mag, sie übertreiben es gerne mal damit, den Einsatz zu erhöhen. Zunächst will Jack Bauer „nur“ eine Terrororganisation stoppen. Dann findet er heraus, dass es um etwas viel Größeres geht und die eigentlichen Drahtzieher ganz woanders sitzen. Irgendwann kommt es zum Bombenanschlag mit 300 Toten, doch auch der war nur ein Täuschungsmanöver, um von der EIGENTLICHEN Gefahr abzulenken etc.

Das Unbekannte

Ihr habt morgen ein Vorstellungsgespräch – Panik! Wenn ihr aber im Vorhinein mit dem Chef telefoniert habt oder zumindest von der Homepage wisst, wie er aussieht, kann das eure Angst mindern. Es hilft sogar schon, wenn man bereits vor Ort war und den Raum kennt. Denn nichts ist schlimmer, als wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt. In dem Fall malt sich das Gehirn die schlimmsten Szenarien aus. Den Geist im Horrorfilm kriegt man zu Beginn des Films nicht gezeigt, weil die Ungewissheit, womit man es zu tun hat, eine zentrale Rolle in diesem Genre spielt. Sie erzeugt Spannung und Gruselfaktor.

Es ist also oftmals ratsam, Sachverhalte nicht sofort vollständig zu beschreiben oder aufzuklären. Die Betonung liegt hier auf „nicht vollständig“. Um diese Art der Spannung zu erzeugen, müssen die Leser zumindest wissen, dass irgendwas im Busch ist. Etwas einfach vorzuenthalten, bringt da eher wenig.

Beispiele für die Technik des Unbekannten gibt es in jedem Genre:

  • Worauf lässt sich der Held ein, wenn er die unbekannte Welt betritt?
  • Auf welcher Seite steht Professor Snape tatsächlich?
  • Der geheimnisvolle Typ mit dem charmanten Lächeln scheint nicht das zu sein, was er vorgibt – ein Klassiker in Romanzen.
  • Die Terroristen planen einen Anschlag, aber wo und wann?
  • Was verbirgt sich hinter der verbotenen Tür? Oder welche Gefahren lauern in der abgeschiedenen Holzhütte mitten im Wald, in der das Licht im Keller nicht funktioniert?
Informationen vorenthalten

Das Unbekannte soll natürlich im Laufe der Geschichte aufgeklärt werden, sonst sorgt das für frustrierte Leser. Damit die Spannung aber nicht verloren geht, empfiehlt es sich, nicht alles auf einmal zu erläutern, sondern häppchenweise über den Text zu verteilen. Beispiele:

  • Ich persönlich finde Krimis deutlich spannender, wenn sich für die Ermittler das Puzzle erst langsam zusammensetzt, als wenn sie ewig im Dunkeln tappen und am Ende ein „Aha“-Moment alles auf einmal aufklärt.
  • Wo wir eben schon bei Harry Potter waren: Dumbledore ist ja der König der Andeutungen. Er verrät immer nur so viel, dass Harry zwar etwas damit anfangen kann, er und die Leser aber weiter grübeln müssen.
  • Mit seinem letzten Atemzug plaudert der Schwerverletzte etwas aus, doch den entscheidenden Satz schafft er nicht mehr. Man kommt der Wahrheit also näher, erreicht sie jedoch noch nicht.
  • Hintergründe zu Protagonisten oder Ereignissen werden gerne über mehrere Rückblenden vermittelt.
Ich sehe was, was du nicht siehst

Gemein ist auch, wenn die Leser etwas wissen, was der Protagonist nicht weiß. Kennt ihr das, wenn ihr einer Buchfigur zuschreien wollt: »Tu es nicht!« In diesem Fall wisst ihr, was sie erwartet. Aber diese Unfähigkeit, eingreifen zu können, treibt einen in den Wahnsinn, und man will unbedingt wissen, wie die Figur darauf reagieren wird.

Die Zeit läuft ab

Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Mörder einem gewissen Muster folgt und in zwei Tagen wieder zuschlagen wird. Die Uhr tickt also, und die Ermittler haben nur noch ein vorgegebenes Zeitfenster, um einzugreifen. Und je länger die Sanduhr rieselt, desto dramatischer wird es. Oft finden sie kurz Ablauf der Zeit den Ort des Geschehens heraus. Dann entscheidet jede Sekunde.

Negativbeispiel: In einem Buch sagt die Hauptfigur zu seinem Kollegen: »Wir haben etwa 15 Minuten Zeit, bis sie auf uns aufmerksam werden.« Das Problem daran: Diese Zeit war eine völlig arbiträre Schätzung. Woher sollte er wissen, dass es GENAU 15 Minuten dauern würde? Das Zeitlimit war also künstlich erzeugt und wirkte daher lächerlich. Noch fünf Minuten. Noch drei. »Oh mein Gott, nur noch eine Minute! Mach schneller!«

 

Hier mache ich nun Schluss. Es gibt natürlich noch zahlreiche andere Techniken, um Spannung zu erzeugen oder aufzubauen. Wenn euch eine einfällt oder auch ein gutes Beispiel, dann schreibt mir doch – am besten auf Facebook oder hier auf der Homepage. Würde mich freuen 🙂 Den nächsten Artikel gibt es dann am nächsten Samstag.

PS: Inspiriert zu diesem Artikel hat mich übrigens The plot thickens von Noah Lukeman (Dort stehen weitere Beispiele drin).

Warum Leser ein Buch abbrechen – Auswertung einer Umfrage

sleep_book_kleinDie amerikanische Plattform Goodreads hat eine große Umfrage gestartet. Sie wollte wissen, aus welchen Gründen Leser ein Buch zu Ende lesen oder in die Tonne werfen. Die wichtigsten Ergebnisse habe ich für euch zusammengefasst und kommentiert. Besonders am Herzen lag mir: Was können Autoren daraus lernen?

Die kompletten Ergebnisse findet ihr übrigens hier.

Warum Leser ein Buch abbrechen
    • Fast die Hälfte aller Teilnehmer (und damit überwältigende Mehrheit) gab an: ‚Langsam + langweilig‘! Viele stören sich daran, wenn das Buch einfach nicht zur Sache kommt, z. B. wenn nichts passiert oder der Autor sich mit seitenweise Beschreibungen aufhält, die niemanden interessieren.
      Was ich daraus lerne: Während des Überarbeitens stampfen Autoren ihre Texte ein. Oft braucht es große Überwindung, bereits Geschriebenes wieder zu löschen. Und auch wenn sie es schaffen, fragen sie sich anschließend, ob sie vielleicht zu viel gekürzt haben. Die Umfrage zeigt aber, dass man grundsätzlich eine schnelle, handlungsstarke Geschichte anstreben sollte (außer bei ganz bestimmten Zielgruppen). Also: Der Rotstift ist euer Freund!
      Beispiel: Ich bin dafür bekannt, so kurz und knapp wie möglich zu schreiben und auch zu sprechen. In meinem Buch geht es daher Schlag auf Schlag, und langwierige Beschreibungen vermeide ich. Bisher haben sich aber nur 2-3 Leser darüber beschwert, dass es ihnen zu schnell gehe, und dies war für sie auch kein wesentlicher Kritikpunkt, sondern nur ein nebensächlicher.

 

    • Fast jeder Fünfte legt das Buch weg, weil es schlecht geschrieben ist. Das ist mit gutem Vorsprung Grund #2 und liegt damit auch vor dem Grund: ‚Lächerlicher oder nicht-existierender Plot‘. Das soll nicht heißen, dass den Leuten die Sprache wichtiger ist als der Plot. Trotzdem ist es offenbar eher in der Lage, Frust beim Leser hervorzurufen. Also nehmt euch die nötige Zeit, die ihr zum Überarbeiten braucht. Geht gewissenhaft vor, auch wenn diese Arbeit zäh ist. Und natürlich: Lasst jemanden korrigieren, besser noch lektorieren!
      Was ich daraus lerne: Nichts, denn hier gilt meiner Meinung nach sowieso: Man sollte sowohl am Plot als auch an der Sprache so gewissenhaft wie möglich arbeiten – keine Ausreden!

 

    • Übrigens nannten nur 5% den Grund: ‚Ich mag die Hauptfigur nicht‘. Dies ist deutlich weniger als ich erwartet hätte. Immerhin gilt: Wenn die Leserin die Hauptfigur nicht mag, fiebert sie auch weniger mit. Und dann ist das Buch weniger spannend. Dies wird durch die Umfrage ja auch nicht widerlegt, trotzdem ist eine unsympathische Hauptfigur für die wenigsten ein Grund, ein Buch komplett wegzulegen. Solange sie den Plot oder andere Figuren gut finden, können sie über diesen Makel hinwegsehen.
      Was ich daraus lerne: Auch hier sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Es kommt ja nicht darauf an, dem Leser ein Buch zu schenken, das er zumindest zu Ende liest. Nein, er soll unterhalten werden, soll es verschlingen. Da zählt eine Hauptfigur, mit der er sich identifizieren kann, dazu. Bitte vernachlässigt das nicht aufgrund dieser Statistik.
      a3f273ac-aa87-46c8-a2ba-9441f146971a-2060x1236Exkurs: Wenn man Charaktere nicht leiden kann, muss das nichts Schlechtes sein. Ein Beispiel ist King Jeoffrey aus Game of Thrones (hier geht es jetzt nicht um Hauptfiguren). Absolut JEDER hasst ihn aus tiefstem Herzen. Aber gerade deshalb ist er wichtig für die Story. Die Leute wollen ihn unbedingt bluten sehen, und das lässt sie mitfiebern.

 

  • Schlussfazit: Ich möchte jeden davor warnen, die Umfrageergebnisse falsch zu interpretieren. Sie bedeuten z.B. nicht, dass der Plot und eine gute Hauptfigur eher nebensächlich sind. Auf gar keinen Fall! Sie zeigen bloß, dass die Leser über eine schlechte Hauptfigur eher mal hinwegsehen können, wenn andere Aspekte stimmen. Über einen schlechten Schreibstil allerdings weniger, selbst wenn das Buch an sich gut ist.
Was bewegt Menschen zum Weiterlesen?
    • Hier kann man mehrere Antworten zusammenfassen: Über 50% beenden ein Buch quasi aus Prinzip – egal, wie sehr sie dabei leiden (Warum tun sie sich das an? Es gibt so viele gute Bücher, die man stattdessen lesen könnte 😀 ).
      Was ich daraus lerne: Zumindest zeigt es, dass man ein schlechtes Buch noch einigermaßen retten kann, wenn zumindest das Ende gut ist. Etwas lernen kann ich aus dieser Statistik allerdings nicht – zumindest nichts Sinnvolles.

 

    Die meisten Leser wollen bloß unterhalten werden.
  • Ein Viertel aller Befragten antwortete: »Ich muss wissen, wie es weitergeht.« Dies spricht auf folgenden Aspekt an: Die Kurzzeit-Erfahrung. Selbst bei schlechtem Plot und schlechten Figuren gilt also: Wenn die Autorin es schafft, die Spannung aufrechtzuerhalten, werden die meisten Leser nicht aufhören können zu lesen.
    Was ich daraus lerne: Eine Lektion, die auch Noah Lukeman in seinem hervorragenden Buch The plot thickens predigt: Er kritisiert nämlich, dass viele Autoren die Spannung vernachlässigen, weil sie die Priorität auf den literarischen Wert legen. Dabei wollen die meisten Leser bloß unterhalten werden.
Auf welchen Seiten Leser ein Buch abbrechen
    • Viele beenden ein Buch auf den Seiten 0-50 (16%), die meisten bei 50-100 (28%). Manche Leser sind also knallhart und legen ein Buch sofort weg, wenn es sie nicht anspricht. Deutlich mehr Leser gewähren dem Autor zumindest weitere 50 Seiten, um noch die Kurve zu kriegen. Der Autor hat also einen kleinen Puffer.
      Was ich daraus lerne: Hier wird das Rad nun wirklich nicht neu erfunden. Der Anfang ist besonders wichtig, wer hätte das gedacht? Und doch lese ich viele Bücher, bei denen am Anfang kaum etwas passiert. Denkt daran: Nichts ist schädlicher als ‚langsam+langweilig‘. Viele Autoren wollen am Anfang zu viel erklären (siehe auch: Infodump), und das schreckt die Leser ab.

 

  • 100 Seiten erstmal geschafft, wird die Leserin das Buch meistens auch beenden (etwa 82%).
    Was ich daraus NICHT lerne: Natürlich sind Anfang und Ende psychologisch gesehen deutlich wichtiger als der Mittelteil. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle warnen. Denn verdammt vielen Büchern trage ich nach, dass sie ja sooo toll wären, wenn sich doch bloß nicht der Mittelteil so ewig gezogen hätte. Also wenn ihr dem Mittelteil schon weniger Beachtung schenkt, dann vernachlässigt ihn wenigstens nicht völlig. Und bitte zieht euer Buch nicht künstlich in die Länge, nur weil ihr euch zum Ziel gesetzt habt, euer Buch müsse unbedingt 60k Wörter haben.

Ist das jetzt eine Schreibblockade?

blockade2Die Schreibblockade: Das Monster, das sich genüsslich an deiner Inspiration labt, die sie dir aus der Seele gerissen hat. Manch ein Autor meint, die goldene Lösung dagegen gefunden zu haben, andere streiten die Existenz des Monsters einfach ab. Früher oder später saß aber sicher jeder Autor schon einmal vor einem leeren Blatt, sei es für einen Tag oder für mehrere Monate.

 

Nun gibt es viele Erklärungen für eine potentielle Blockade und noch viel mehr Lösungen. Warum ist das so? Zunächst natürlich, weil jeder Mensch verschieden ist. Allerdings gibt es auch ein fundamentales Problem, das ich hier ansprechen möchte: Nicht jeder versteht unter einer Blockade dasselbe. Verschiedene Probleme, die beim Schreiben auftreten, werden häufig einfach als Schreibblockade verdonnert, ohne zu hinterfragen, was genau dieses Problem eigentlich ausmacht. Dementsprechend vielfältig sind auch die Lösungsvorschläge, die oftmals gar nicht zum jeweiligen Problem eines Autoren passen.
Während ich so die Schreibblogs durchforste, entdecke ich – mit fließenden Übergängen – fünf grundsätzliche Arten von Autorenproblemen, die allesamt gerne als Blockade bezeichnet werden:

  1. „Mir fällt nix ein.“
    Der Klassiker. Das typische Bild eines Künstlers, der vergeblich auf eine göttliche Inspiration wartet.
  2. Ich weiß nicht, wie ich das schreiben soll.“
    (1) handelt davon, WAS man schreiben soll, bei (2) weiß man es, findet aber keine Lösung für das WIE. Trotzdem finde ich beide Punkte sehr ähnlich: Man findet einfach keine Ideen, sei es zum Plot (1) oder zu den Worten (2).
    Wichtig: Viele Autoren behaupten, dass (1+2) keine Blockade seien, sondern bloß das Resultat einer zu hohen Anspruchshaltung. Ob das stimmt oder nicht, will ich so pauschal nicht beurteilen, da die Leistung eines Gehirns von unzähligen individuellen Faktoren abhängt.
  3. „Alles mies, was ich schreibe.“
    Im Gegensatz zu (2) schreibt man in diesem Fall wenigstens was nieder, allerdings stinkt jedes Wort zum Himmel – jedenfalls denkt man das. Auch hier ist der Aspekt der Anspruchshaltung zu berücksichtigen.
  4. „Ich kriege meinen Hintern nicht hoch.“
    Dies ist in meinen Augen keine Blockade, sondern ein Motivationsproblem. Denn hat man erstmal angefangen zu schreiben, flutscht es meistens wie von selbst. Hier helfen Tipps à la: Richte dir feste Schreibzeiten ein.
  5. „Ups, schon wieder auf Facebook.“
    Hierbei geht es um Prokrastination und somit um Konzentrationsschwäche. Dies kann aus (1-3) resultieren, muss es aber nicht. Auch dies ist – genau wie 4 – gesondert zu betrachten. Wer daran leidet, sollte unbedingt diesen Artikel lesen: http://waitbutwhy.com/2013/10/why-procrastinators-procrastinate.html

Fazit:
(4+5) sind für mich keine Schreibblockade, höchstens die Folgen von einer. Es sind schlichtweg Probleme anderer Art.
Ob man mit seinem Geschriebenen zufrieden ist, ist abhängig von der aktuellen Leistungsfähigkeit (Tagesform) und der Anspruchshaltung (die ebenfalls tagesabhängig ist!). Ist die Anspruchshaltung auf BILD-Niveau und man bringt trotzdem nichts zu Papier, würde ich dies als Schreibblockade bezeichnen. Manchmal ist eine Gehirnhälfte einfach überlastet. Einige mögen mir da widersprechen, aber das ist im Prinzip auch egal. Wichtig ist nur: Identifiziere dein Problem! Ist es die Kreativität oder doch nur die eigene Anspruchshaltung? Ist es die Konzentration oder bloß die Motivation? Finde es heraus, denn erst dann kannst du effektiv nach Lösungen suchen.
PS: Lösungsvorschläge folgen in separaten Artikeln 🙂

Schreibratgeber – Nützlich oder nutzlos?

RatgeberViele Autoren wettern gegen Schreibratgeber. Manche vergleichen sie mit Schulbüchern für Kinder, andere mit Werken Satans. Wieder andere haben noch nie auch nur daran gedacht, jemals einen vor die Nase zu nehmen.

 

 

Die Argumente gegen Schreibratgeber sind vielfältig:

  1. Es gibt beim Schreiben keine Regeln
  2. Ich will mir nichts vorschreiben lassen
  3. Ratgeber verunsichern nur
  4. Ich will meine Fehler selbst machen und daraus lernen
  5. In diesen Büchern steht eh nix Neues drin
Schreibratgeber sind voller Vorschläge – nicht voller Regeln
Zu (1): Dies ist richtig, und ein guter Ratgeber würde das Wort ‚Regeln‘ nicht benutzen. Im Englischen spricht man gerne von ‚tools‘, und daran sollte man sich auch orientieren. Es sind Vorschläge/Hilfsmittel – immerhin heißt es Ratgeber und nicht Regelwerk. Und somit schreiben sie einem auch nichts vor (2).

Ja, Ratgeber können einen schnell verunsichern (3), immerhin findet man Tipps, die man schon im ersten Kapitel 97-mal missachtet hat. Aber bedenke: Ob und wie man diese Ratschläge umsetzt, ist jedem selbst überlassen. Mach dir deine eigenen Gedanken darüber! Nimm dir Zeit und schau dir an, wie andere Autoren einen Ratschlag umsetzen. Und dann überleg dir, wie du als Leser das am liebsten präsentiert bekommen hättest.

Zu (4): Dies ist eine super Einstellung, doch ich fürchte, der Lernprozess geht dann nur sehr langsam vonstatten. Wann bemerkt man denn seine eigenen ‚Fehler‘? Oftmals erst, wenn andere einen darauf aufmerksam machen, z.B. Testleser oder der Lektor. Aber dies ist mit Nachteilen verbunden. Testleser haben nicht denselben Blick wie Lektoren, und Lektoren gehen den Text erst durch, wenn er bereits fertig ist. Und dann kriegt der Autor gleich eine ganze Flut an Verbesserungsvorschlägen, und es wird schwer, alle zu verarbeiten.

Hin und wieder in einem Ratgeber zu schmökern, hilft auch gegen den Tunnelblick, den man bei seinem Buch entwickelt
Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe am schnellsten und effektivsten gelernt, wenn ich viel geschrieben und hin und wieder – z.B. wenn ich eine Pause brauchte – einen Schreibratgeber zur Hand genommen habe. Die Kombination hat’s gemacht.

Zu (5): Zunächst kann es sehr nützlich sein, Themen aufzufrischen oder sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dafür sind Schreibratgeber gut geeignet. Doch auch wenn 99% eines Buches für dich nutzlos sind – vielleicht ist es nur dieser eine Abschnitt oder auch nur dieser eine Satz, der in dir einen Aha-Moment auslöst. Wenn das der Fall ist, dann hat sich das Buch gelohnt, selbst wenn es das Hundertfache gekostet hätte. Schließlich hilft dir dieser Moment ein Leben lang.

Neues aus der Schreibwerkstatt #1

PenNeulich wurde in der Facebook-Gruppe Nächtliche Schreibwerkstatt folgender Abschnitt von Denise Andersen diskutiert:

Ob ich mir wohl alle Knochen brechen würde, wenn ich hier hinunter fiel? Die Vorstellung, plötzlich unten am Boden zu liegen, mir alles gebrochen zu haben, überall Blut vorzufinden, war schrecklich.

Die Frage war: Ist diese Konstruktion „Die Vorstellung … ist schrecklich“ überhaupt nötig? Braucht man das Wort „Vorstellung“, wenn klar ist, dass es sich hierbei nur um einen Gedanken handelt? Und braucht man das Wort „schrecklich“, wenn der Gedanke doch für jeden Leser offensichtlich schrecklich ist?

Sie hat es nun ohne die Konstruktion geschrieben, das sah dann folgendermaßen aus:

Ich könnte plötzlich unten auf der Erde liegen und mir alles gebrochen haben. Ich würde hilflos im eigenen Blut liegen.

Einwand: Zu viele Hilfsverben! Klingt vernünftig und könnte man z.B. so umgehen:

Ich könnte plötzlich hilflos im eigenen Blut liegen und mir alles gebrochen haben.

Das ist natürlich schon arg gekürzt und nicht jedermanns Geschmack. Eine weitere Option – nun wieder mit der Konstruktion – wäre:

Welch schreckliche Vorstellung, sich alle Knochen zu brechen und hilflos im eigenen Blut zu liegen!
Einflussfaktoren

Nun haben wir erstmal 4 Versionen, bloß welche davon ist die beste? Die Antwort darauf ist ein eindeutiges: Kommt drauf an! Mir sind mehrere Faktoren eingefallen, die dabei eine Rolle spielen könnten:

  1. Kontext: Auf der Flucht am Rande einer Schlucht ist wahrlich ein anderes Setting als Tagträumen, während man aus einem geschlossenen Fenster guckt.
  2. Aus dem Kontext ergibt sich die Atmosphäre. Ist sie angespannt oder hektisch? Ist sie romantisch? (Wohl eher nicht) Ängstlich? Gefühlvoll?
  3. Erzählrhythmus: Dieser kann natürlich eng mit Kontext und Atmosphäre zusammenhängen, muss er aber nicht. Manchmal hält ein Autor kurze, handlungsstarke Sätze für angemessen, manchmal ausschweifende Sätze im Erzählstil, ausgeschmückt mit vielen Nebensätzen.
  4. Es kommt nicht nur auf den Inhalt an, sondern auch auf die Autorin und ihren Stil. Sätze können sich unauthentisch anfühlen, wenn sie sich stilistisch vom Rest unterscheiden. Wie ein ungebetener Fremdkörper. Aber Achtung: Sie können natürlich auch für gelungene Abwechslung sorgen.
Und nun?

Auch jetzt kann ich nicht sagen, welche Version die Beste ist. Das ist Geschmackssache, und ein Richtig oder ein Falsch gibt es sowieso nicht. Damit gilt letztendlich Punkt 5.

  1. Nach dem Gehör. Du kannst so theoretisch wie möglich an die Sache herangehen, wenn es sich schlecht anhört, ist es schlecht. Lies den ganzen Absatz und geh nach deinem Bauchgefühl. Oder – was meistens die bessere Wahl ist – lass den Abschnitt von anderen lesen und vertraue auf deren Bauchgefühl (oder auf deren Bauchschmerzen).
Viel Schreiben ist das A und O. Aber ein wenig Theorie schadet nie.
Bist du letztendlich nach Gefühl gegangen, kannst du dich danach fragen, warum es ausgerechnet diese Variante geworden ist. Schau dir die 4 Aspekte an und vielleicht erkennst du einen Zusammenhang. Wenn ja, hast du soeben einen wichtigen Lernfortschritt gemacht. Meiner Meinung nach ist dies nämlich der effektivste Weg, sein Schreiben zu verbessern:
Üben, üben, üben – mit einer Prise Theorie von Zeit zu Zeit.

 

Der Infodump – auf den Müll damit!

infodumpJeder Autor produziert Müll. Besonders schlimm ist dieser stinkende Müllberg namens Infodump. Ich behaupte, dass ihn 90% aller Anfänger in ihren Text einbauen, doch auch Fortgeschrittene sind oftmals noch große Schmutzfinken.

 

 

Was ist ein Infodump?

Wie der Name schon sagt: Hier werden bloß Informationen angesammelt, die eigentlich niemand braucht. Eine Aufzählung von substanzlosen Behauptungen. Sie lesen sich wie ein Wikipedia-Artikel. Man nehme dieses Beispiel:

Annemarie wusste genau, was sie machen wollte: Sie wollte ihr Studium der Politologie mit gutem Abschluss absolvieren, danach auf Weltreise gehen. Endlich mal raus aus Göttingen! Sie wusste nur noch nicht, wie sie das mit ihren beiden Kindern unter einen Hut bringen sollte. Die fünfjährige Tina hatte Asthma und war sehr pflegebedürftig, weshalb Annemarie oft nicht so viel lernen konnte, wie sie es für ihr Studium eigentlich müsste. Und der kleine Hans war erst wenige Monate alt, und … bla bla bla bla

Ein Infodump dieser Art taucht meistens auf Seite 2 oder im dritten Abschnitt auf. Warum ausgerechnet da? Und warum so konstant an dieser Stelle? Nun, das liegt daran, dass Anfänger meist einem ähnlichen Schema folgen: Jeder weiß, dass man seine Geschichte spannend starten soll, also wird erstmal ein wenig Handlung eingebaut. Dann – wenn der Autor zufrieden mit der Einleitung ist – begeht er den Fehler:

»Oh schreck, jetzt muss ich dem Leser aber erstmal all die Hintergrundinformationen erklären, sonst versteht er meine Geschichte ja nicht.«

Und zack: Infodump-Alarm. Natürlich kann er auch an anderen Stellen eines Buches auftauchen.

Warum stinkt der Infodump so?

Erstens: Hättet ihr diesen Einschub an Informationen gern lesen wollen, wenn er eine eigentlich spannende Handlung rücksichtslos unterbrochen hätte? Zweitens: Könnt ihr euch noch an all die Informationen erinnern? Wie hieß die Tochter gleich?

Wenn man die Figuren nicht kennt, sind bloße Informationen für einen Leser nicht greifbar. Ich hätte auch Frau X und Studium Y schreiben können, das wäre aufs Gleiche hinausgelaufen.

Wie beseitige ich den Müll?

1. Schritt: Filtern! Es geht nicht darum, welche Informationen die Leserin für das gesamte Buch braucht. Es geht darum, welche sie jetzt für diese Szene braucht. Dies ist ein genereller Schreibtipp, aber gerade beim Start-Infodump wird er trotzdem häufig missachtet. Trau dich ruhig! Die Leser sind nicht dumm und brauchen nicht alles zu wissen. Im Gegenteil: Fehlende Informationen können sogar Spannung erzeugen.

Ja, dieser Schritt ist nicht einfach. Deine Leserin muss schon wissen, wo sie sich befindet und was überhaupt passiert. Du kannst nicht alle Informationen streichen. Wie so oft gilt hier: Finde die richtige Balance!

2. Schritt: Die gefilterten Informationen nun nach dem „Show, don’t tell“-Prinzip einbauen. Ganz klassisch.

3. Schritt: Die Infos, die durch das Sieb gefallen sind, verstreust du über den gesamten Text hinweg – immer dort, wo du sie für angebracht hältst. Hans-Peter Roentgen hat dies mit einem Striptease verglichen: Die Hüllen nach und nach fallen lassen statt alle auf einmal.

Ja, auch ich …

Vor einigen Jahren habe ich bei meinem damaligen Text geahnt, dass „irgendwas nicht stimmt“.  Er ging rasant los, wurde aber plötzlich zum Gähnen langweilig. Leider wusste ich nicht mit diesem Gestank umzugehen. Erst als ich zum ersten Mal über den Infodump gelesen habe, wurde mir schlagartig bewusst: In meinem Text hatte sich einer aufgetürmt – und zwar ein fetter.

 

Aufbau einer eigenen Welt

Fantasy-Autoren erschaffen gerne ihre eigenen Welten, in denen sich ihre Figuren dann austoben können. Dies gelingt allerdings nicht über Nacht. Eine Welt muss sorgfältig geplant werden, sonst rennst du schnell gegen eine Wand.

 

 

  • Hier steht plötzlich ein Gebirge, das vorher nicht da war?
  • Für eine Strecke brauchten die Pferde vorhin noch 4 Wochen, plötzlich nur noch eine?
  • Es ist unglaubwürdig, dass dein Volk sich unterdrücken lässt, besitzen die Einwohner doch wahnwitzige magische Fähigkeiten, mit denen sie sogar Sauron bezwingen könnten?
  • Wieso ist eigentlich seit Jahren immer nur Sommer?

Ich könnte noch viel mehr Beispiele aufzählen. Mach dir vorher genug Gedanken, sonst musst du im Nachhinein immer wieder einen Fluss dazu erfinden oder eine Stadt doch direkt ans Meer setzen.

Als Orientierung dienen z.B. diese zwei nützlichen Links:

Ein Wort noch zum Beschreiben deiner Welt in deinem Buch. Erklär nicht zu viel! Die richtige Balance zwischen Erklären und Nicht-Erklären ist entscheidend, sonst ist dein Leser schnell gelangweilt. Du hast dir aber so viele Gedanken gemacht und die Welt total aufregend gestaltet? Trotzdem!

Siehe dazu auch diesen Artikel von Janice Hardy’s Fiction University.